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Stefan Bollmann: Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug : Wer schön sein will, muss lesen!

  • -Aktualisiert am

Bild: Elisabeth Sandmann

Auf der Spur des weiblichen Lesens in der Kulturgeschichte: Stefan Bollmann stöbert auf, wie lesende Frauen wirken und bringt dabei ihre volle Schönheit zur Geltung.

          Nichts kann die passionierte Leserin aus ihrer Lektüre reißen, ihr Blick ist ganz auf die Welt hinter den Zeilen gerichtet. Die einzige Störung wäre die Zigarettenasche auf dem feinen Stoff des Kleides. Dem ist vorgebeugt: Mit koketter Diskretion hält die Lesende von Federico Faruffini den Glimmstengel. Fast scheint es, als wolle sie ihn verbergen. Und birgt nicht auch die Lektüre grundsätzlich heimliche Genüsse?

          Frauen, die lesen, sind seit Jahrhunderten beliebte Motive in der Kunst - und spätestens seit Stefan Bollmanns Bildanthologie „Frauen, die lesen, sind gefährlich“ von 2005 auch auf vielen Beistelltischen zu Hause. In seinem mit essayistischen Kommentaren durchsetzten Folgeband durchforstet Bollmann nun erneut die Kulturgeschichte des weiblichen Lesens. Mit literarischer Verve zeigt er, wie Frauen die ihnen zugedachte Rolle - das Heim hüten, Beten, Konversation treiben - mit und durch Texte erfüllen. Lesen stellt still, macht aber auch frei: Zwischen den Buchdeckeln entdeckt die Damenwelt ihrerseits Welten, die Sehnsüchte wecken und ausmalen. Und manchmal ist es nur ein Schritt von den Traumreichen der Fiktion zur Landkarte der Utopie.

          Die lesende Frau bleibt meist nur Objekt

          In Bollmanns Zusammenstellung wird außerdem klar: Lesende Frauen besitzen Anmut und Anziehungskraft. Die Ablenkung der Lektüre prädestiniert sie für die Darstellung: Der Aufmerksamkeit für ihre Umgebung beraubt, lassen sie bereitwillig die Blicke über sich gleiten. Eine der schönsten Räklerinnen zeigt Henri Cartier-Bressons Fotografie von 1967, betitelt „Martines Beine“. Das Szenario macht deutlich: Die lesende Frau fungiert in der Kunst - trotz reger Geistestätigkeit - vor allem als Objekt des Betrachters.

          Zwei Werke durchbrechen die Logik der Zurschaustellung: einmal in der Präsentation des Alters, wie es das Selbstbildnis von Anna Dorothea Therbusch vorstellt. Deren kluges Gesicht ist ebenso zerknittert wie ihr seidener Rock. Und dann mit kritischer Laszivität, wie sie Maria Magdalena verkörpert. Johannes Paulus Moreelse hat sie gemalt, mit verärgertem Blick, als wolle sie dem Betrachter für seine Indiskretion einen Rüffel erteilen. Solche Widerspenstigkeit muss man sich schon gefallen lassen, wenn man Lesende betrachtet.

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