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: Spürsinn für Erfolg

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Schafe haben Leonie Swann schlagartig erfolgreich gemacht. Ihr Krimi "Glennkill" gehorcht dennoch nicht dem Herdentrieb. Ausgerechnet Schafe? Tiere mit einem jahrhundertealten Imageproblem? Verachtet als einfältig, ängstlich, verfressen, auf das Herdenleben fixiert - was ihren Weidetrott dennoch nie zu stören schien.

          Schafe haben Leonie Swann schlagartig erfolgreich gemacht. Ihr Krimi "Glennkill" gehorcht dennoch nicht dem Herdentrieb. Ausgerechnet Schafe? Tiere mit einem jahrhundertealten Imageproblem? Verachtet als einfältig, ängstlich, verfressen, auf das Herdenleben fixiert - was ihren Weidetrott dennoch nie zu stören schien. Seit einem halben Jahr ist damit endlich Schluß. Irgendwann muß die Vollversammlung wolleproduzierender Paarhufer beschlossen haben, eine gewisse Leonie Swann mit einer multimedialen Rehabilitation zu beauftragen. Eine ziemlich schlaue Idee, denn plötzlich stehen Schafe hervorragend da - in dieser Woche etwa auf Platz vier der Spiegel-Bestsellerliste.

          Wie die Sache mit dem Schafskrimi "Glennkill" losging, hat Leonie Swann allerdings ein wenig anders in Erinnerung. Das Ganze liege nun auch schon fünf, sechs Jahre zurück, so genau kann sich die dreißigjährige Autorin nicht erinnern, "mit Zahlen bin ich nicht so gut". Auf einer Irlandreise war es, mit einer Freundin fuhr sie damals im Auto kreuz und quer über jene grüne Insel, die Literaten ja schon immer reizte. Da standen sie überall herum, diese Wollkommoden: hinter Steinwällen, auf fetten Weiden, auf Hügelkuppen, über den Klippen und manchmal auch mitten auf der Straße, wie um zu demonstrieren, daß Irland ihnen gehört. "Sie können sehr individuell aussehen und haben charaktervolle Gesichter", stellt die Wahl-Berlinerin fest. "Ich habe ihre Köpfe aus der Nähe betrachtet. Da wurde mir klar, daß das geheimnisvolle Wesen sind und daß Geschichten dahinterstecken könnten."

          Von dieser Inspiration bis zum Erstling "Glennkill", dem Überraschungsbestseller dieser Saison, war es dann zwar noch ein weiter Weg. Jetzt aber ist die Rede davon, daß Schafe, jedenfalls wenn sie in Irland in einer paradiesischen Weidelandschaft hoch über dem Meer leben, intelligente, sorgfältige Ermittler sind. Und natürlich ist vor allem ihr ausgeprägter Geruchssinn kriminaltechnisch höchst ergiebig.

          Der Erfolg bringt es mit sich, daß die Jungautorin nun häufig unterwegs ist, um sich in Buchhandlungen für ein Schäferstündchen mit Lesung einzustellen. An einem frostigen Februarabend hat es Swann in die sauerländische Kleinstadt Neheim verschlagen, in die helle, sehr aufgeräumte Mayersche Buchhandlung. Ein Lesetisch, eine Lampe, ein schwarzer Teppich auf dem Boden, der die Eingeweihten unter den etwa 25 Gästen spontan an das Fell des "Glennkill"-Widders Othello erinnert.

          Ein Feuer flackert, kein echtes freilich, sondern ein auf den Monitor projiziertes. Damit das Gruseln gemütlich wird. Die erste, nie laut vernehmbare Frage bei einer Lesung lautet natürlich: Wie sieht sie aus, diese Autorin? Hübsch auf jeden Fall, schmale Züge, graue Augen, keine Schafsnase. Die Damen loben überdies den dunkelgrünen Militaria-Blazer und erörtern ausführlich die zwei Korkenzieherlocken, die Swanns Kurzhaarschnitt eine verspielte Note geben.

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