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Meg Wolitzer: „Die Stellung“ : Die zahllosen Pirouetten der Sex-Mellows

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„Elektrisierende Versöhnung“ will gelernt sein: Barbra Sreisand bringt es Blythe Danner in „Meet the Fockers“ bei. Bild: mauritius images

Meg Wolitzer gelang im Vorjahr mit ihrem Roman „Die Interessanten“ der Durchbruch in Deutschland. Ihr Roman „Die Stellung“ aus dem Jahr 2005 ist sexuell und literarisch allerdings ziemlich unbefreit.

          Nachdem John Updike 1968 seinen Roman „Ehepaare“ über Beziehungen und deren Bruch, über Liebe und Sex geschrieben hatte, wurde Hollywood auf den Bestsellerautor aufmerksam und lud den Schriftsteller nach Kalifornien ein. Man wollte besprechen, wie das erfolgreiche Buch zu einem erfolgreicheren Spielfilm gemacht werden könnte. Nachdem Updike sich auf einigen liederlichen Partys mit freizügigen Filmschaffenden getummelt hatte, kam der Autor, dem Norman Mailer einmal riet, lieber seinen Fuß in der Tür des Hurenhauses zu behalten, anstatt auf schönen Prosastil zu setzen, zu der ernüchternden Einsicht, sein Roman sei von einem sexuell eher naiven Menschen geschrieben worden.

          Was Updike als naiv bezeichnete, könnte aber auch neugierig, überrascht oder bewundernd genannt werden. Sein sinnlicher Blick und sein blumiger Stil machten Sex immer zu etwas Glitzerndem, Geheimnis- und Genussvollem, während Meg Wolitzers jetzt auf Deutsch erschienener Roman „Die Stellung“ die körperliche Liebe eher mit einer Haltung erzählt, die mit D. H. Lawrence als „Sex-Hass“ und „Dreck-Lust“ beschrieben werden könnte. Leider scheint die Erzählerin dieses in Updikeschen Gewässern hilflos umherplantschenden Romans tatsächlich eine sexuell ausgesprochen naive Person zu sein, und einen schönen Prosastil sucht man ebenfalls vergebens. Sex wird humorlos überzeichnet, dabei zugleich mit gezwungener Ironie überladen. So wird das Ganze als banal und schädlich in einem dargestellt - eine nicht zu unterschätzende Pirouette.

          Da reitet sie auf ihrem Bruder

          Der Roman der 1959 in New York geborenen Autorin erzählt von den „Sex-Mellows“, dem Ehepaar Paul und Roz, die in den Siebzigern einen „Freude am Sex“-Ratgeber mit dem Titel „Pleasuring“ veröffentlichen und zu einiger Berühmtheit gelangen. „Das Buch“, wie es stets sarkastisch-monolithisch bezeichnet wird, handelt von Roz’ und Pauls persönlichen Erfahrungen um das alte Rein-raus-Spiel, wie Anthony Burgess es einmal nannte. Die Kapitel von „Pleasuring“ - das erste heißt „Geschlechtsverkehr: Schritt für Schritt“ - sind ergänzt durch realistische Illustrationen der beiden Mellows. So weit, so gut.

          Das Cover der deutschsprachigen Ausgabe.
          Das Cover der deutschsprachigen Ausgabe. : Bild: DuMont

          Die beiden haben vier Kinder, zwei Jungs, zwei Mädchen, zwischen sechs und fünfzehn Jahren, und eines Tages, als die Eltern sich zu einem „ersten von vielen, vielen Vorträgen“ in New York befinden, versammeln sich die Zöglinge und betrachten „das Buch“. Da sind sie, ihre Eltern in prahlenden und peinlichen Posen. Naturgemäß reagieren alle vier, jeder auf seine Weise bestürzt auf diesen Schmuddel, sogar die beiden Kleinsten scheinen erregt. Die jüngste Tochter Claudia „ließ kichernde, spitze Schreie“ hören und ist zunächst so verstört, dass sie beginnt, „sich gegen das Gesicht zu schlagen“, doch - heile, heile, Gänschen - da reitet sie auch schon auf ihrem Bruder Dashiell wie auf einem Pferdchen „im Kreis durch die Küche“.

          Elektrisierende Versöhnung

          Was bezweckt der Roman mit derart flapsiger Sexualisierung? Die Einsicht, dass Sex ein Kinderspiel ist, dass ein Kinderspiel Sex ist? Es wird parallelisiert durch die Nebeneinanderstellung von kindlichem Pferdchenspiel und einem zuvor mit der Sprache der Equestrik ungenau beschriebenen und ungelenk übersetzten Bild der illustrierten, illustren Mutter, die „auf dem Rücken lag, den Vater rittlings auf sich“.

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