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Robert Louis Stevenson: St. Ives : Was sind denn das für Geschichten

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Bild: Verlag

Die Angelsachsen schmähten ihn lange als Kolportage-Schreiber, dabei ist Robert Louis Stevenson ein Erzähler von Weltformat. Sein Abenteuerroman „St. Ives“ ist sensationell - zu Wasser, auf der Erde und in der Luft.

          Im Jahr 1914, so teilt uns Andreas Nohl in seinem Nachwort mit, schrieb „ein Mann namens Swinnerton ein Buch von über 200 Seiten, um darzulegen, dass Stevenson ein zweitklassiger Schriftsteller sei“. Das war zwanzig Jahre nach dem Tod des zu Lebzeiten hochgeschätzten Autors. Nicht lange danach senkt Bloomsbury den Daumen nach unten: Virginia und Leonard Woolf hauen in die gleiche Kerbe. Schließlich wird Stevenson in Großbritannien gleichsam aus der Literatur exkommuniziert: In der Oxford Anthology of English Literature aus dem Jahr 1973 fehlt sein Name ganz. Man kann sich das höchstens mit der berühmten Floskel vom Propheten im eigenen Land erklären (und vielleicht noch dadurch, dass der Mann Schotte war), und keine Wertschätzung durch berühmte Kollegen wie Mallarmé, Chesterton, Nabokov oder Brecht schien bis heute viel daran ändern zu können. Der angelsächsischen akademischen Rezeption fällt es offenbar schwer, einen Autor einzuordnen, der in so vielen verschiedenen Genres gearbeitet hat, und deshalb hat sie ihn lieber gleich ganz entsorgt.

          Allerdings gibt es seit einiger Zeit auch Gegentendenzen, so beispielsweise eine neuere amerikanische Untersuchung, die sein Werk auf Parallelen zu dem Joseph Conrads analysiert und im Untertitel „Writers of Transition“ heißt. Da ist man schon mal auf der richtigen Spur. Wer zum Beispiel Stevensons „Die Ebbe“ liest, ist so weit nicht mehr vom „Herz der Finsternis“ entfernt.

          Nach allen Regeln der Kunst

          „St. Ives“ ist der letzte Roman von Robert Louis Stevenson, falls man das so eindeutig sagen kann bei einem Autor, der immer mit mehreren Projekten auf mehreren Baustellen gleichzeitig beschäftigt war. Er hat ihn nicht vollenden können, so dass wir die letzten sechs Kapitel auf Basis des schon ausgearbeiteten Konzepts dem zwanzig Jahre jüngeren Kollegen Arthur Quiller-Couch verdanken. Wenn einmal der inflationär gebrauchte Begriff „kongenial“ zutrifft, dann hier: Weder ein stilistischer noch ein erzähltechnischer Bruch ist in diesen letzten Kapiteln zu spüren.

          Es handelt sich um einen Abenteuerroman nach allen Regeln der Kunst: mit Sensationen zu Lande, in der Luft und zu Wasser, in dieser Reihenfolge. Der Abenteuerroman ist ein moderner Abkömmling des Ritterromans, und der Held dieses Epos, der französische Junker Kéroual de Saint-Yves, Kriegsgefangener in Edinburgh zur Zeit der Napoleonischen Kriege, muss folgerichtig, unter Einsatz seines Lebens, eine Menge Âventiuren bestehen und vor der schönen Frau zunächst einmal einen Goldschatz erobern. Da die Zeit der Ritterromane um die vorletzte Jahrhundertwende aber schon lange vorbei war, haben in diesem Roman auch zwei Rechtsanwälte entscheidende Positionen besetzt und verweisen so ironisch auf die Verrechtlichung des modernen Lebens. Der Goldschatz liegt nämlich nicht irgendwo vergraben, sondern hat die Form einer Erbschaft.

          Die Lektüre ist es wert

          Der Reihe nach: Der französische Adelige, der unter dem Namen Champdivers als einfacher Mannschaftsdienstgrad in Napoleons Armee dient und eigentlich ein Spion ist, gerät in Kriegsgefangenschaft, ist auf der Festung Edinburgh inhaftiert, verliebt sich in ein schottisches Mädchen namens Flora, das zusammen mit seiner Tante die Gefangenen zuweilen besucht. Er flieht mit seinen Kameraden aus der Festung, geht dann eigene Wege, wobei er sich in Anlehnung an seinen französischen Adelsnamen St. Ives nennt.

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