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Rezension: Belletristik 1881

Gustave Flaubert "Bouvard und Pécuchet"

Wenn große Männer verrückt sind, dann sind sie auch darin groß, und Gustave Flaubert war so ein Mann, als sein Dämon ihn ganz auf die äußerste Klippe am gähnenden Abgrund der Romankunst führte und sprach: Spring hinab! Denn er sprang und schrieb "Bouvard und Pécuchet", das irrsinnigste und tödlichste Buch, das je einer angefangen hat, der, nachdem er auf seine Weise für die Welt getan hatte, was er vermochte, ihr nun den letzten Dienst erweist und zu ihr sagt: Es ist alles nichts. Zwei aus jenen Gegenden, wo allenfalls noch welche wohnen können, die an das Wissen glauben, lesen alles und handeln danach, und was immer sie anfassen, geht so entsetzlich und sinnlos schief, daß man sich entweder fragt, warum sie überhaupt noch am Leben sind, oder, zu welchem Zweck. Wenn je drei Männer gnadenlos waren in ihrem Streben, dann diese drei, Bouvard, Pécuchet und Flaubert. Der schlimmste ist aber Flaubert, denn ganz in dem Maße, in welchem sich der kalkige Staub der absurdesten aller Vergeblichkeiten über die Welt legt, die er schildert, erstarrt leblos auch die Schilderung selber, etwa wie Nürtingen, über das sich immer ekliger ein graues Weiß legte, als noch fast mitten in der Stadt die Kalkbrennereien und Zementwerke standen, von denen es lebte. Und zwar, bei Flaubert nun, zerstört der Witz, den er braucht, um seine beiden Toren am Leben zu halten, das Buch ebensosehr wie der immer unausbleiblichere Mangel an Witz, wenn immer vollständiger sinnlos wird, was seine Toren tun. So führt denn das Buch immer mehr auch selber wie das, von dem es sagen will, es führe zu nichts, zu nichts; und mit nichts auch als einem grimmigen Kopfnicken, das sein Totenschädel mitnicken würde, stellen wir dann auch noch fest, daß das Buch mittendrin aufhört, und fragen uns mit einem leisen Grauen nicht mehr, ob Flaubert es fertig geschrieben haben würde, wenn ihn nicht der auch ganz sinnlose Tod daran gehindert hätte. (Gustave Flaubert: "Bouvard und Pécuchet". Aus dem Französischen übersetzt von Georg Goyert. Mit einem Vorwort von Victor Brombert und einem Nachwort von Uwe Japp. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1979. 439 S., br., 20,- DM; auch bei Diogenes, übersetzt von Erich Marx, mit einem Glossar und Essays von Raymond Queneau, Jorge Luis Borges und Lionel Trilling, Zürich. 448 S., br., 16,80 DM.) R.V.

Bouvard und Pécuchet

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.1996, Nr. 106 / Seite 40

 
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