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Norman Ollestad: Süchtig nach dem Sturm : Ikarus von Topanga Beach

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Bild: Verlag

Durch Härte zu den Sternen: Norman Ollestad überlebte als Elfjähriger als einziger Insasse den Absturz einer Cessna in den Bergen bei Ontario. Dreißig Jahre später erzählt er seine Geschichte, die in Amerika ein Bestseller wurde.

          Es gibt drei Sorten Menschen, glückliche, unglückliche und Surfer. Letztere sind selig. Nur sie – gemeint sind echte Surfer, nicht pickelige Internetjunkies – halten Vollkommenheit für erreichbar: die perfekte Welle. Und Wellen gibt es wie Sand am Meer, umsonst und unbegrenzt. Neid und Furcht sind denn auch Fremdworte in dieser seligen Sphäre, nicht einmal Drogen spielen eine Rolle. Keine Ekstase kann schließlich größer sein als der pfeilschnelle Ritt durch eine „Tube“, diese im Innern völlig stille Röhre urgewaltig wirbelnden Wassers, Ausstülpung des Jenseits ins Diesseits hinein – eine Erfahrung, die auf Erden sonst nur Moses machen durfte. Was diese Initiation angeht, verstehen sich Surfer blind: „Du warst an einem Ort, wo nur sehr wenige Menschen jemals hinkommen, sagte er. An einem Ort weit weg von all diesem Scheiß.“ Und dieser Scheiß ist alles, was nicht Surfen ist, eben das, was der Rest der Welt für die Welt hält, Neid, Furcht, Geld, diese drei.

          Dieses Buch dagegen nimmt uns mit zurück in die Freiheit der siebziger Jahre, zu den großen Surflegenden am Nacktstrand von Malibu. Zwischen ihnen saust ein kleiner Junge, wie der Autor Norman Ollestad geheißen, über die gefährlichsten Wellenkämme. Sein Vater, ein Draufgänger und Frauenheld, war kurzzeitig sogar FBI-Agent. Aber lieber schlief er mit einer Mafioso-Tochter, als sie zu observieren. Bald überwarf er sich mit dem ganzen Verein und forderte den allmächtigen FBI-Direktor Edgar Hoover heraus, indem er ein Buch über dessen Verlogenheit publizierte „und dem Sturm standhielt, der darauf folgte“. Und dieser Vater hat dem kleinen Norman alle Angst und alle Bequemlichkeit abtrainiert, indem er ihn schon mit vier Jahren halsbrecherische Skipisten hinunterjagte und jedes Wochenende in aller Herrgottsfrühe zum Eishockeytraining trieb.

          Die Wellen sind das Leben

          Vor allem aber hat er dem Protagonisten beigebracht, Stürme zu lieben, denn sie bescheren die Wellen, die wiederum das Leben sind. Kaum war der Spross ein Jahr alt, band ihn der Vater sich auf den Rücken und ritt mit ihm die größten Brecher. Jede freie Minute war von jetzt an dem Surfen vorbehalten. Wie es sich für einen Super-Dad gehört, war er beim kleinsten Unfall zur Stelle, immer bereit, „Boy Wonder“ den echten Gefahren zu entreißen. Kein Vater, das sehen wir schnell ein und bekommen es dann auch wörtlich gesagt, kann cooler sein als der alte Ollestad. Er macht seinen Sohn stolz – wenn auch mitunter ein wenig eifersüchtig –, und nichts ist dem Sohn wichtiger, als auch ihn stolz zu machen: Im Kern ist dieses Buch ein zärtliches, erzählt von diesem das Leben bei den Hörnern packenden Männerbund zwischen Vater und Sohn.

          In einer derart goldenen Adrenalin-Kindheit scheint es dann eher nebensächlich, dass die Eltern des Helden kein echtes Paar mehr sind, dass sich der neue Freund der Mutter als Trinker und Choleriker erweist, dass der Junge keine Freunde kennt, sondern nur sportliche Herausforderer: „Und ich begriff, dass, egal, wer du warst oder welche außergewöhnlichen Leistungen du vollbracht hattest, Topanga Beach immer größer war als du selbst. Das Einzige, was dort von Bedeutung war, war das Surfen. Es war der große Gleichmacher.“

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