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: Nennt mich bloß nicht Stöckchen!

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Was ist denn das für ein sonderbares hölzernes Männchen mit zwei Blättern auf dem Kopf, das da früh am Morgen seine Runde durch den Park dreht? Ein Stöckchen auf Beinen mit guter Laune und schnellem Gang? Man könnte ihn fast für einen simplen Stock halten, den der Wind in der Frühe von einem Baum ...

          Was ist denn das für ein sonderbares hölzernes Männchen mit zwei Blättern auf dem Kopf, das da früh am Morgen seine Runde durch den Park dreht? Ein Stöckchen auf Beinen mit guter Laune und schnellem Gang? Man könnte ihn fast für einen simplen Stock halten, den der Wind in der Frühe von einem Baum geknickt hat, und jetzt wird er so durch die Welt gefegt ohne Sinn und Verstand.

          Ist er aber nicht. Es ist Herr Stockmann, der Titelheld des neuen Buchs der Grüffelo-Erfinder Axel Scheffler und Julia Donaldson, und dass er diese fatale Ähnlichkeit mit einem bloßen Holzstück hat, ist das Lebensunglück, das ihn immer wieder in beinahe ausweglose Situationen führt. Denn sosehr er auch von Buchseite zu Buchseite immer wieder seine andere Identität betont, so wenig findet er bei den diversen Stockmann-Findern Gehör. Schon der erste glückliche Finder, ein sehr schlichtes Hündchen, weiß scheinbar genau, was er da gefunden hat: ",Ein Stock', bellt der Hund, / ,ein Stecken, ein Stiel. / Der ist perfekt / für mein Lieblingsspiel!'" Und trägt ihn im Maul hin und her, lässt ihn vom Herrchen durch die Luft wirbeln und hechelt freudig hinterher. Ohne ein Ohr für den lauten Protest des Gewirbelten: "Ich bin kein Stock, du dummer Hund! / Ich bin Stockmann! Stockmann! Guck doch genau! / Ich will nur nach Hause zu Kindern und Frau."

          Keiner hört zu. Die Verzweiflung wächst. Die Welt will den Stock in ihm sehen und sonst nichts. Es ist das Unglück des Anatol Stiller aus Max Frischs großem Roman, das Scheffler und Donaldson hier in ihrem neuen Buch aufs abenteuerlichste durchspielen. "Ich bin nicht Stiller!" wird hier zu Stockmanns Empörungsruf: "Ich bin kein Ast! Altes Federvieh! / Ich heiße Stockmann. Das vergiss bitte nie!" wie er es einem blöden Schwan zuruft, der ihn zur Ausstaffierung seines Nestes verwendet.

          Stockmann wehrt sich gegen jede Verwendung, jede Verwertung. Die ganze Welt will ihn benutzen. Doch Stockmann will nur frei sein, sich selbst gehören und zurück zur Familie. Sein Widerstand gegen die Verwertungswelt ist auch ein Widerstand gegen das Erwachsenwerden, gegen das Einordnen und Eingeordnet-Werden. Ein kleiner Holz-Widerständler, nur so für sich. Die Stellung von "Stockmann" im Scheffler/Donaldson-Werk ist ein guter Mittelfeldplatz. Die besten Bücher der beiden erzählen einfach ungezwungen und unangestrengt die unwahrscheinlichsten Geschichten mit scheinbar unausweichlicher erzählerischer Notwendigkeit. An das geniale Gründungswerk "Grüffelo" wird man nicht mehr herankommen. Aber den Fehler eines schnöden, etwas gequälten Sequels wie dem "Grüffelokind" werden sie auch nicht mehr machen.

          Kein Bumerang, nee! Stockmann, der Schnee!

          "Stockmann" schließt thematisch an "Wo ist Mami?" an, die Geschichte des ratlosen Äffchens, das vom übereifrigen Schmetterling einmal durch den Dschungel geschickt wird. Die Suche damals endete mit dem furiosen Schlussruf "Glück" auf der letzten Seite. Auch der geraubte Stockmann wird so enden.

          Die Verse des neuen Buchs sind nur selten etwas gequält, das neue Übersetzerduo Wiglaf Droste und Stefan Maelck hat das insgesamt sehr gut gemacht. Auch daran haperte es ja bei einigen früheren Büchern. Einige Übergänge sind ungewohnt holprig, der Sprung von der Weigerung "kein Bumerang - nee!" zu "Stockmann! Stockmann! Vorsicht der Schnee!" etwas überanarchisch und reimquälerisch. Dafür gibt es einen herrlich herbeigedichteten Retter in höchster Not und rhythmisch-schöne Zeilen wie "Frau Stockmann ist einsam, den Kindern wird's schaurig / ohne Stockmann ist Weihnachten einfach nur traurig." Die Rettung ist da nur einen Vers entfernt.

          Axel Scheffler und Julia Donaldson: "Stockmann" Aus dem Englischen übersetzt von Wiglaf Droste und Stefan Maelck. Verlag Beltz und Gelberg, Weinheim 2008. 32 S., geb., 12,90 [Euro]. Ab 2 J.

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