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: Mit den Augen Goyas

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Die Fotos zeigen ein schönes, freundliches, vornehm damenhaftes Gesicht. Geboren wurde Mercè Rodoreda (katalanisch "Mrsä Rudurédä") 1908 in Barcelona. Sie starb, berühmt und geehrt, 1983. Unter den katalanischen Erzählern ihrer Zeit gilt sie bis heute als die "universellste", also die am stärksten ...

          Die Fotos zeigen ein schönes, freundliches, vornehm damenhaftes Gesicht. Geboren wurde Mercè Rodoreda (katalanisch "Mrsä Rudurédä") 1908 in Barcelona. Sie starb, berühmt und geehrt, 1983. Unter den katalanischen Erzählern ihrer Zeit gilt sie bis heute als die "universellste", also die am stärksten nach außen hin ausstrahlende Erscheinung, und ihr Roman "Auf der Plaça del Diamant", der 1962 erschien, wird als der bedeutendste unter den katalanischen der Gegenwart betrachtet.

          Ein weiteres Meisterwerk von ihr ist "Der zerbrochene Spiegel" (1982). Sie emigrierte 1939, nach dem Bürgerkrieg also - und hatte wegen ihres politischen Engagements dazu auch guten Grund. Sie lebte erst in Bordeaux, dann in Paris. Mit Näharbeiten soll sie sich dort durchgebracht haben. Im Jahr 1954 ließ sie sich in Genf nieder, arbeitete dort bei der Unesco. In ihre Heimat kehrte sie erst zwanzig Jahre später zurück, kurz vor dem Ende der sich langsam, aber aufhaltsam lockernden Diktatur. An dem schönen Ort Romanyà de la Selva an der Costa Brava verbrachte sie ihre letzten Jahre.

          Die Katalanen sind ja - und gerade dies ist, was sie aber nicht wahrhaben wollen, ihr eigentlicher kultureller Reichtum - vollkommen zweisprachig. So bedarf es für einen Schriftsteller, um Katalanisch, nicht aber Spanisch zu schreiben (oder dann umgekehrt), eines regelrechten Entschlusses. Rodoreda, eine Autodidaktin, kam zu ihrem Entschluss über einen "katalanistisch" gesinnten Großvater. Dass sie aber überhaupt und früh zu schreiben begann, hing mit einer unglücklichen Ehe zusammen (sie hatte einen siebzehn Jahre älteren Onkel geheiratet). Umso mehr wollte sie der Monotonie rein häuslichen Lebens entfliehen. So kommt hier auch das spezifisch weibliche Schicksal ihrer Zeit, die ja noch nicht ganz zu Ende ist, herein. Eine Feministin wurde sie aber kaum, obwohl jenes Schicksal sich in ihrem ohnehin stark autobiographisch bestimmten Werk immer wieder zeigt. Bereits 1937 kam ihr erster erfolgreicher Roman "Aloma" heraus, den sie später ganz umschrieb.

          Das hier anzuzeigende Buch erschien 1980 unter dem Titel "Quanta, quanta guerra ..." Deutsch heißt es nun also - und dies bleibt ja in der Nähe - "Weil Krieg ist". Unter den drei Zitaten, die vorangestellt sind, findet sich zuerst der berühmte und wegen seiner Zweideutigkeit umstrittene Satz Goyas (auf der Radierung Nr. 43 der "Caprichos"): "Der Schlaf" - oder "Traum" - "der Vernunft erzeugt Ungeheuer." Das spanische "sueño" heißt ja sowohl "Schlaf" als auch "Traum". Aber der Satz wird hier seltsamerweise falsch zitiert, denn nicht "engendra", sondern "produce monstruos" hatte Goya gesagt. Die beiden anderen Mottos sind von Saul Bellow und von D. H. Lawrence, was schon etwas zeigt von Rodoredas weitem, gar nicht lokalem Schreib-Ansatz. Worüber sie schreibt, spielt zwar in Katalonien, ist aber nicht spezifisch katalanisch. Diese katalanische Erzählerin interessiert die Provinz des Menschlichen.

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