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Veröffentlicht: 03.04.2017, 06:56 Uhr

Die Kanzlerin als Roman Manchmal wär ich auch gern tot

Was geht im Kopf von Angela Merkel vor? Der Roman „Die Kanzlerin. Eine Fiktion“ von Konstantin Richter erfindet die bescheuertstmögliche Version.

von Friederike Haupt
© dpa Die bekannteste Raute der Welt: Angela Merkel im September 2015 beim Bürgerfest im Garten von Schloss Bellevue in Berlin

Ein Autor muss sich schon wirklich viel zutrauen, wenn er einen Roman darüber schreibt, was im Kopf von Angela Merkel vorgeht. Denn er muss es sich ja ausdenken in seinem eigenen Kopf, der, nicht böse gemeint, höchstwahrscheinlich nicht so leistungsfähig ist wie der von Angela Merkel.

Schwierige Aufgabe. Aber na gut. Erstmal ist es ja schön, wenn ein Autor, in diesem Falle Konstantin Richter, Jahrgang 1971, sich einer schwierigen Aufgabe annimmt. Über Männer heißt es in letzter Zeit vermehrt, sie fühlten sich abgehängt, unsicher und orientierungslos. Karrierelustige Frauen, ihr Leben als Start-Up begreifend, bedrohten das Traditionsunternehmen Männlichkeit. Derlei Sorgen hat Konstantin Richter offenbar nicht. Während andere Männer noch als Pick–Up-Artists versuchen, sich in die Köpfe harmloser

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Fußgängerzonenschönheiten einzuwählen, nimmt Richter sich die Bundeskanzlerin vor. Diesmal aber nicht mit den Mitteln eines Politikjournalisten, wie er es in der Vergangenheit ein paar Mal etwa bei „Politico“ getan hat, sondern nun als Romanautor.

Schon im Juni vergangenen Jahres veröffentlichte Richter einen Artikel bei „Politico“, in dem er feststellte, Merkels Mühen während der Flüchtlingskrise seien Stoff für einen „packenden Roman“, den er dann auch sogleich skizzierte. Kern der Geschichte wäre, dass die Bundeskanzlerin als Pragmatikerin gezeigt würde, die einmal im Leben auf ihr Herz hört, versucht, die Dinge anders zu machen als sonst – und scheitert. „Das ist die Art von Aufstieg-und-Fall-Geschichte, die jeder gerne liest“, lobte Richter seine Idee damals. Nun hat er diese Geschichte auf 176 Seiten ausgebreitet.

Dies ist ein Roman und damit erfunden

Ganz vorne rein in „Die Kanzlerin. Eine Fiktion“ hat der Verlag zur Sicherheit geschrieben: „Dies ist ein Roman und damit Fiktion und keine Dokumentation tatsächlicher Geschehnisse.“ Wäre man allerdings auch so drauf gekommen. Die schönsten Geschichten schreibt halt das Leben, die schlechtesten immer ein Autor, der seine Fähigkeiten überschätzt.

Dabei ist die Sache superinteressant. Wer läse nicht gern darüber, was die Kanzlerin hinter den Kulissen tat und dachte, während Deutschland über die Flüchtlinge stritt? Das Sachbuch „Die Getriebenen“, dessen Autor genau dazu recherchiert hat, verkauft sich gerade wie wild. Auch Richters Buch, sein drittes, weckt die Neugier; das Leben ist schließlich keine Meldungsspalte. Aber es ist eben auch keine Witzeseite mit Redaktionsschluss 1970, und eines der größten Probleme des Romans „Die Kanzlerin“ ist, dass der Autor lustig sein will, indem er die Kanzlerin zur Witzfigur macht.

Die Erzählung setzt ein im Juli 2015. Angela Merkel, die auch im Buch Angela Merkel heißt, besucht mit ihrem Mann die Bayreuther Festspiele, genauer die Aufführung von „Tristan und Isolde“. Das hatte die Kanzlerin, also die echte, tatsächlich getan. Kein aufregender Abend. Am aufregendsten war gewesen, dass Merkel vom Stuhl fiel. Die „Bild“ meldete zunächst, die Kanzlerin sei ohnmächtig geworden, korrigierte das aber, nachdem Merkels Pressesprecher mitgeteilt hatte, der Stuhl sei zusammengebrochen, nicht seine Chefin, und Augenzeugen davon berichteten, dass besagter Stuhl „in mehrere Teile zerborsten“ sei.

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