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Maigret-Marathon 25 : Das Dienstmädchen

Bild: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. Siehe auch Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Das musste ja mal kommen: Ein Maigret-Roman, der vor dem Romanlesen warnt. Der zeigt, wie sehr Lektüre unser Hirn vernebelt, unsere Weltsicht einfärbt und zu den groteskesten Fehldeutungen führt. Die Rede ist natürlich nicht vom Kommissar - liest der überhaupt etwas anderes als Akten und Beweisstücke wie fremde Briefe und Tagebücher?

          Die Handlung in einem Satz: Die wichtigste Zeugin in einem Mordfall, das Dienstmädchen Félicie, weigert sich beharrlich, zur Aufklärung beizutragen, und treibt Maigret damit in den Wahnsinn.

          Spielt in: Poissy bei Paris, Orgeval und Paris.

          Neues über Maigret: Er hat einen besonders dicken Kopf und trägt in diesem Roman einen Schnurrbart.

          Und Frau Maigret? Zieht ihren Mann gern damit auf, dass der „den harten Polizisten“ spiele. Einmal schickt sie ihm die Nachricht, ihre Schwester betreffend: „Elsie ist mit Mann und Kindern aus Épinal gekommen. Wir essen alle zu Hause. Versuch zu kommen. Sie haben Steinpilze mitgebracht.“ Sie behauptet, nicht eifersüchtig zu sein - und macht trotzdem spitze Bemerkungen über Maigrets Klientinnen.

          Konsum geistiger Getränke: Bier, Branntwein, Rotwein, Rosé, Kaffee mit Cognac.

          Wen interessiert schon der Täter?

          Kann eine Kleingartensiedlung so etwas wie Poesie entfalten? Mäßige Autoren hätten aus dem Schauplatz dieses Romans einen Mikrokosmos gezimmert, sie hätten die Hölle des Beieinanderseins gezeichnet und den Mord selbstverständlich aus den sozialen Strukturen der kleinen Welt erklärt. Dass Simenon hierfür völlig unempfänglich bleibt, möchte man ihm hoch anrechnen. Und dass er dafür seiner dezidiert unhübschen Heldin verfällt, auch. Selten war die Aufklärung des Falls so banal und unwichtig wie in diesem Band.

          Lieblingssatz: „In dieser Geschichte hatte er es wirklich nur mit armseligen Gegnern zu tun.“

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