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Maigret-Marathon 24 : Sein Rivale

Bild: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde und Maigret-Marathon: Alle Folgen).

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Was ist eigentlich Schlimmer: Wenn ein Rivale so lächerlich armselig auftritt, dass in dieser Rivalität schon eine Beleidigung liegt - oder wenn der andere einen selbst kopiert und damit die eigene Rolle streitig macht? Also Witzfigur oder dunkler Zwilling? Im Falle jenes Ex-Kriminalbeamten namens Cavre, den alle nur freundlich „Cadavre“ nennen und der sich nun anheischig macht, Maigret in allem zuvorzukommen, liegt die Sache wohl irgendwo dazwischen: Cavre ist lächerlich, keine Frage, niemand würde ihn mit Maigret verwechseln - aber warum kommt er dem Meister bei den Ermittlungen dann immer einen Schritt zuvor? Warum sorgt sein Auftritt dafür, dass Maigret nirgendwo mehr ein Bein auf den Boden bekommt? Warum fühlt sich Maigret dann auf einmal, als sei er „nicht mehr Maigret“?

          Die Handlung in einem Satz: Ein Mann wurde in einer Kleinstadt erschlagen, verdächtig ist die reichste Familie des Ortes, und Maigret ermittelt ohne die geringste Legitimation.

          Spielt in: Saint-Aubin-Les-Marais, einem Dorf in der Vendée.

          Neues über Maigret: Er hat auffallend große Augen. Er träumt von einem gerippten, grünen Lampenschirm für sein Büro. Und niemand kennt ihn so gut wie Inspector Lucas.

          Und Frau Maigret? Kommt nicht vor.

          Konsum geistiger Getränke: Bier, Port, Cognac, Schnaps, Rosé, Armagnac.

          Der Kommissar als Spielball

          Es regnet, es schwappt unter den Füßen, überall sind Kanäle oder Pfützchen, und wenn es mal trocken bleibt, dann steigt sicherlich Nebel auf - in der Januarkälte des Vendée-Örtchens hat es Maigret nicht leicht. Und auch die bäuerliche Umgebung, nach der er sich ja stets sehnt, heimelt diesmal nicht an, im Gegenteil. Alle spielen sie ihr Spiel mit ihm, auch diejenigen, die er doch unterstützen soll, um deretwillen er hierher gekommen ist. Erst als sich Maigret mit den Proletariern des Orts verbrüdert, kann er der Sache eine Wendung geben. Und das ist in diesem fabelhaften Roman, in dem anfänglich alles schief läuft, keine geringe Leistung.

          Lieblingssatz: „Später sollte das für Maigret ein Thema sein, an das er nicht rühren würde: Niemals sprach er von diesem Tag, vor allem nicht von diesem Morgen, und er tat alles Menschenmögliche, um nur ja nicht mehr daran denken zu müssen.“

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