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Maigret-Marathon 13 : Die Affäre Saint-Fiacre

Bild: Natascha Vlahovic, FAZ.NET

75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit.

          75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit (siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde und Maigret-Marathon: Alle Folgen).

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Wie seltsam das ist: Maigret kehrt nach einigen Jahrzehnten in sein Dorf zurück, und alle sind auf einmal so schrecklich alt geworden. Gar nicht seltsam? Doch, aus der Perspektive des Heimkehrers schon, den immer wieder geradezu greifbare Erinnerungen überfallen und lähmen. Maigret als Knabe, der das schielende Mädchen ärgert, der gestampfte Lehmboden beim Verwalterhaus, die stolze und schöne Gräfin. Das Mädchen schielt nun die Fremden an, die sie im Gasthof unglücklich bedient, der Boden ist gepflastert, und die Gräfin liegt als in jeder Hinsicht entblößte Leiche vor Maigret. Und während sich für ihn Einst und Jetzt überblenden, bricht die schielende Wirtin den Bann: Nein, mit dem würdigen Kommissar aus Paris will sie sich nicht duzen. Auch wenn sie es früher noch so oft getan hat.

          Die Handlung in einem Satz: Dort, wo Maigret aufwuchs, geschieht ein Mord, und der herbeigeeilte Kommissar findet in der Welt seiner Kindheit nur noch Verkommenheit und Niedergang.

          Spielt in: Saint-Fiacre, einem Dorf in der Auvergne bei Moulins.

          Neues über Maigret: Er wurde im Verwalterhaus geboren, wo sein Vater Évariste 30 Jahre lang arbeitete - jetzt liegt er auf dem Friedhof von Saint-Fiacre. Ohne Wissen seiner Eltern half Maigret beim Jagen als Treiber aus. Und wünschte sich als Knabe sehr ein prächtiges Messbuch.

          Und Frau Maigret? Spielt in diesem Buch keine Rolle.

          Konsum geistiger Getränke: Grog, der kalten Jahreszeit angemessen. Und Schnaps. Am Ende dann, in einer großen Saufszene, alles, was der Schlosskeller so hergibt.

          Backpfeifen für den Mörder

          In diesem Band ist Maigret als Person präsenter als in den vorigen, gleichzeitig ist er als Ermittler eine Randfigur. Die Verdächtigen machen das unter sich aus, in einem wuchtigen Finale, bei dem es am Ende zwar keine Verhaftung gibt, aber immerhin jede Menge Backpfeifen. Und wieder steht Maigret vor dem Problem, dass sich Bosheit nur selten juristisch fassen und ahnden lässt. Fast scheint es überdies, dass die Jüngeren, die jetzt Saint-Fiacre bevölkern, allesamt Waschlappen oder Schurken sind, manche auch beides. Immerhin ist da der kleine rothaarige, apart verschlossene Bauernjunge, mit dem Maigret sofort Freundschaft schließt. Dass man sich so gut versteht, ist kein Wunder: Maigret erkennt in dem Knaben seinen Wiedergänger.

          Lieblingssatz: „Maigrets Gesicht drückte tiefe Abscheu aus, weil ihm noch nie ein so feiges und zugleich so raffiniertes Verbrechen untergekommen war.“

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