10.04.2001 · Zadie Smith ist der Star der jungen englischen Literatur. FAZ.NET hat ihre literarischen Qualitäten unter die Lupe genommen.
Von Eckhart NickelKennen Sie das? Dieses Gefühl der Sättigung, das von einem Namen ausgeht, den wir zu oft in der Zeitung gelesen, im Radio gehört oder im Fernsehen geschaut haben?
Beim ersten Mal, wenn er vor unseren Augen auftaucht, klingt er noch spannend. Ein Name zunächst wie die Chiffre für etwas ganz Neues, Unerhörtes. Doch die Intensität, mit der Kulturträger ihre Themen abfeiern, wird von massiven Nebenwirkungen begleitet. Schnell stehen dann neben dem Namen plötzlich große Worte wie “Ausnahmetalent“, “Schreibgenie“ und “Wunderkind“.
Dann folgen die Interviews zum Thema: Wie haben Sie das geschafft oder Essen Sie auch ab und zu Würstchen mit Senf? Nichts schöner als in solchen Gesprächen den Mythos gleich mit dem passenden Etikett zu versehen. In England zum Beispiel muss ein Autor derzeit “gorgeous“ aussehen, um Erfolg zu haben.
Und auch da sitzt die Autorin in der ersten Reihe: Von Sexy Zadie, 25, hübsches Mädchen, student turned writer, gibt es bevorzugt schicke Porträtaufnahmen mit Sonnenbrille und Burberry-Kopftuch in den Straßen und Bussen von Swinging London, als Bonus die Geschichte einer vom eigenen Erfolg überraschten, bei alldem aber bodenständig gebliebenen Künstlerin. Drei Wochen lang entging keiner mehr dieser Frau: Zadie Smith durfte “Zähne zeigen“ auf allen Kanälen. Wie alle Menschen es plötzlich geschafft hatten, den über 600 Seiten zählenden Roman im Nu gelesen zu haben, um mitzureden, sei dahin gestellt.
Aber schon war es passiert: Alles anfängliche Interesse für die Literatur hinter der ach so erfolgreichen Schriftstellerin war bald ebenso schnell verebbt wie die Welle der Berichterstattung, die sich genau über unseren Köpfen gebrochen hatte. Um dann dem Weg des geringsten Widerstands zu entgehen, dem Weg ins moderne Antiquariat, muss so eine Buchneuerscheinung heutzutage einiges zu bieten haben.
Bei Zadie Smith jedoch ist das der Fall. Sie ist nicht nur „gorgeous“, sie kann auch schreiben. Sie ist nicht nur ein Marketing-Produkt, sie hat auch ein Debüt hingelegt, von dem wir uns noch nach mehr als 600 Seiten nur schwer trennen konnten.