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 ·  Renées Wohnung liegt im toten Winkel eines vornehmen Pariser Stadtpalais. Hier klopft der standesbewusste Hausbewohner nur an, um im Befehlston die Beschleunigung unliebsamer Verrichtungen im Haushalt zu fordern. Im Alltag entgeht die Concierge seinem ätherischen Blick. Damit das so bleibt und Renée ...

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Renées Wohnung liegt im toten Winkel eines vornehmen Pariser Stadtpalais. Hier klopft der standesbewusste Hausbewohner nur an, um im Befehlston die Beschleunigung unliebsamer Verrichtungen im Haushalt zu fordern. Im Alltag entgeht die Concierge seinem ätherischen Blick. Damit das so bleibt und Renée im Schutze ihrer Aschenputtel-Existenz Husserl, Tolstoi und den japanischen Film studieren kann, achtet sie peinlich genau darauf, jedem Klischee ihres Berufes zu entsprechen. Sie ist hässlich, mollig, schlecht gekleidet und erweckt durch konsequente Einsilbigkeit den Eindruck fortgeschrittener Debilität. Zu ihrem Glück sind alle viel zu beschäftigt, als dass die unerhörten Ambitionen bemerkt würden: die anorektische Erbin aus dem zweiten Stock mit ihrem läufigen Whippet-Weibchen Athene, die Politikerfrau aus dem dritten mit den spärlichen Erkenntnissen einer zehnjährigen Psychoanalyse, deren älteste Tochter mit einer prätentiösen Philosophiearbeit. Nur die hochbegabte Schwester Paloma leidet an der Geistlosigkeit der intellektuellen Schickeria und will sich an ihrem dreizehnten Geburtstag das Leben nehmen. Doch dann zieht der faszinierende Kakuro Ozu ein, der bemerkt, dass Renée eine "gelehrte und geheime Prinzessin" ist. Es bahnt sich eine Liebesbeziehung zwischen dem reichen Japaner und der Concierge an, die nicht endet wie im Märchen, sondern wie im echten Leben. In Muriel Barberys "Eleganz des Igels" schieben sich Palomas tiefgründige Gedanken zwischen Renées Tagebucheinträge, in denen sie Betrachtungen über japanische Schiebetüren anstellt, eine Widerlegung der Phänomenologie anhand ihres Katers versucht oder die Trostlosigkeit des Conciergendaseins in satirischen Darstellungen der Upperclass verarbeitet. Leider transportiert die Übersetzung nicht nur die Eleganz der Pariser Noblesse, sondern stellenweise auch die französische Syntax. (Muriel Barbery: "Die Eleganz des Igels". Roman. Aus dem Französischen übersetzt von Gabriela Zehnder. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2008. 364 S., br., 14,90 [Euro].) brey

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2008, Nr. 168 / Seite 30
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