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: Leichtfiguren

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Im Jahr 2002 war der Autoverkäufer Murong Xuecun ein Star im chinesischen Internet. Sein dort veröffentlichter Roman über das süß-saure Leben junger Angestellter und Herumtreiber in Chengdu fand fünf Millionen Leser und begründete eine eigene Gattung, die Online-Literatur. Beim Lesen versteht man den Erfolg in diesem Medium sofort.

          Im Jahr 2002 war der Autoverkäufer Murong Xuecun ein Star im chinesischen Internet. Sein dort veröffentlichter Roman über das süß-saure Leben junger Angestellter und Herumtreiber in Chengdu fand fünf Millionen Leser und begründete eine eigene Gattung, die Online-Literatur. Beim Lesen versteht man den Erfolg in diesem Medium sofort. Ein überschaubarer Kreis von einprägsamen Figuren kehrt wie in den Folgen einer Fernsehserie in jedem Kapitel mit überraschenden Wendungen und voraussetzungslos verständlichen Pointen wieder: Generalmanager Dong ("der fette Dong", ein Scheusal), Li Liang, der vor lauter Lebensangst unaufhörlich Mahjong spielt und später Drogen nimmt, Großkopf Wang, der unerschütterliche, keinem Bestechungsversuch abgeneigte Polizist, sowie der frauenverschlingende und bisweilen ziemlich verzweifelte Ich-Erzähler, ein Autoverkäufer. Die Episoden sparen nicht an Sex, Zoten, respektlosen Bemerkungen über offizielle und jegliche andere Moral, Gaunereien aller Art sowie Reflexionen über das Leben von mittlerer Reichweite. Weniger verständlich ist, weshalb "Chengdu, vergiss mich heut Nacht" ins Englische, Französische und jetzt auch ins Deutsche übersetzt wurde. Der Roman kann als Dokument dafür dienen, dass es auch in China drunter und drüber geht, dass die allgemeine Orientierungslosigkeit gewaltig und das Leben im Einzelnen mal manisch, mal depressiv ist. Wenn man das aber erst einmal verstanden hat, schleppt man sich mit Mühe durch den Rest. "Ihr Leben war so fad und farblos wie ihre zigmal aufgegossenen Teeblätter", heißt es einmal über die Müßiggänger der Stadt. So aufgekratzt ihre Geschichte daherkommt, kann der Leser diese Einschätzung am Ende doch nicht falsch finden. (Murong Xuecun: "Chengdu, vergiss mich heut Nacht". Roman. Aus dem Chinesischen von Hans Peter Hoffmann und Brigitte Höhenrieder. Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2008. 316 S., geb., 22,- [Euro].) Si.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2009, Nr. 24 / Seite 32

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