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Laurent Binet: HHhH : Wie die blonde Bestie starb

Bild: Verlag

Laurent Binets Roman „HHhH“ über das Attentat auf den SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich tritt anspruchsvoll auf, setzt aber in Wahrheit ganz auf Einfühlung und Subjektivität.

          Ein packender Stoff erster Ordnung – in Form einer Doku-Fiction. Es geht um das Attentat auf den SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich am 27. Mai 1942, auf den in Prag residierenden „Stellvertretenden Reichsprotektor in Böhmen und Mähren“ also, den Chef des Reichssicherheitshauptamtes, den Organisator der Wannsee-Konferenz, auf der die „Endlösung der Judenfrage“ vorbereitet wurde.

          Lorenz Jäger

          Redakteur im Feuilleton.

          Heydrich war der Prototyp des intelligenten und kalten Nationalsozialisten, kein Massendemagoge mit Gebrüll, sondern ein managerialer Geist, ein Kind der „Neuen Sachlichkeit“ der zwanziger Jahre, der es verstand, das Schrecklichste mit der größten Perfektion zu exekutieren. Zu den oft und auch in diesem Buch wiederholten Gerüchten um den unheimlichen Mann gehört die Legende, unter Heydrichs eigenen Vorfahren seien Juden gewesen. Sie entbehrt jeder Grundlage, auch wenn sie Gelegenheit zu manchen „gebildeten“ Betrachtungen wie der von Carl Jacob Burckhardt gab, der nach einem Treffen mit Heydrich notierte: „Es schauen mich zwei Personen gleichzeitig an, sagte ich mir.“

          Emblematischer Ort der NS-Schrecken

          So öffnet diese Geschichte Möglichkeiten, Perspektiven der Darstellung wie kaum eine andere. Man kann nach London blicken, auf die tschechoslowakische Exilregierung unter Eduard Benesch, die das Attentat plante; auf die beiden Männer, die es ausführten (es waren ein Tscheche und ein Slowake, Sinnbild der Einheit einer Nation, die damals nicht mehr existierte). Man wird die Karriere Heydrichs analysieren, seine frühe Entlassung aus der Reichsmarine wegen einer Frauenaffäre und seinen Aufstieg in der SS – er wurde sogar der Chef von Interpol.

          Und man wird auf die unmittelbare Folge des Attentats blicken, auf das Massaker von Lidice, das noch vor Auschwitz zum emblematischen Ort der NS-Schrecken wurde, als die Deutschen 172 Männer erschossen und 195 Frauen nach Ravensbrück deportierten, von denen 52 ermordet wurden. Von den 98 Kindern wurden 13 zur „Germanisierung“ vorgesehen und die übrigen in Kulmhof vergast.

          „Geschmeidige Strategie“

          Heydrich war nach Prag geschickt worden, weil das Land mit den koda-Werken für die deutsche Rüstung entscheidend war. Der Reichsprotektor Konstantin von Neurath, erst Außenminister Hitlers und zuvor schon der Weimarer Republik, wurde des teils offenen, teils verdeckten Widerstands nicht Herr. Die Prager Regierung stand zu diesem Zeitpunkt immer noch im Kontakt mit Benesch in London. Heydrich kam Ende 1941 nach Prag und errichtete ein Schreckensregiment; der Ministerpräsident wurde nach kurzem Verfahren hingerichtet. Da andererseits Ruhe, vor allem unter der Arbeiterschaft, kriegsentscheidend war, konnte Terror nicht der einzige Weg sein. So kam es im „Protektorat“ zu einer gewissen Sozialpolitik. Auch bei Binet liest man, dass Heydrichs Vorgehen gegen den Schwarzhandel mit Lebensmitteln ihm eine bestimmte Popularität verschaffte. Aus dem Henker schien ein Wohltäter werden zu wollen.

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