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: Kohlköpfe als Herzenstrost

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Bouvard und Pécuchet langweilen mich! & es wird Zeit, daß das ein Ende nimmt, wenn nicht, nehme ich selbst ein Ende . . .", schrieb Flaubert im Frühjahr 1880 an Turgenjew. Drei Wochen später überraschte ihn der Tod am Schreibtisch. Als schwaches Alterswerk wurde das Buch beim postumen Erscheinen 1881 eingestuft, um dann zu einem Grundtext der Moderne aufzusteigen.

          Bouvard und Pécuchet langweilen mich! & es wird Zeit, daß das ein Ende nimmt, wenn nicht, nehme ich selbst ein Ende . . .", schrieb Flaubert im Frühjahr 1880 an Turgenjew. Drei Wochen später überraschte ihn der Tod am Schreibtisch. Als schwaches Alterswerk wurde das Buch beim postumen Erscheinen 1881 eingestuft, um dann zu einem Grundtext der Moderne aufzusteigen. "Der Mann, der mit ,Madame Bovary' den realistischen Roman schuf, war auch der erste, der mit ihm brach", meinte Borges in seiner enthusiastischen Verteidigung des Werkes.

          Grimmiger Antrieb von Flauberts Realismus war die Liquidation der Romantik. Der Autor wandte sich der ungeliebten Wirklichkeit zu, um sie in ihrer Banalität durch makellose Form zu bewältigen. In "Bouvard und Pécuchet" steigert sich der Wirklichkeitsekel zum Erkenntnisekel. Das Buch ist eine der nachhaltigsten Kollisionen von Wissenschaft und Literatur. Kein wissenschaftlicher Roman ist das Ergebnis, sondern einer, der sich mittels spröder Komik der zudringlichen Diskurse zu erwehren sucht. Flaubert gebärdet sich als Spötter in der Kirche des Fortschritts, zu der die Wissenschaft in seiner Zeit geworden war.

          "Ich empfinde Haß auf die Dummheit meiner Epoche, ganze Fluten von Haß, die mich ersticken." Tatsächlich war er ein gründlicher Buchhalter seines Hasses. Sein wucherndes Archiv umfaßte Listen mit wissenschaftlichen Abstrusitäten, literarischen Stilblüten, Zitaten aus amtlichen Schriftstücken, politischer Feiertagsrhetorik und natürlich den legendären "Gemeinplätzen". Aus diesen O-Tönen ein Buch zu bauen, in dem der Autor kein eigenes Wort mehr sagen muß, nur noch höhnischer Arrangeur seiner Lesefrüchte ist, war Flauberts Ideal. In diesem Roman ist er ihm nahegekommen.

          Die beiden Hauptfiguren sind zwei exzentrische "Biedermänner": der so strenge wie hagere Junggeselle Juste Romain Cyrille Pécuchet und der Witwer François Denys Bartholomée Bouvard, ein Freund sinnlicher Genüsse, der in seiner Jugend Schauspieler werden wollte. Der Blitzschlag der Freundschaft ereilt die beiden siebenundvierzigjährigen Kopisten auf einer Parkbank.

          Eine großzügige Erbschaft ermöglicht es ihnen, dem Büro zu entkommen. Im Jahr 1838 ziehen sie sich nach Chavignolles aufs Land zurück, um dort die nächsten fünfundzwanzig Jahre ganz ihren Interessen gemäß zu leben. Allzu lange mußten sie dem Geldverdienen ihre geistigen Bedürfnisse opfern. Jetzt wollen sie das alles nachholen. In ihrem Alter seien "derartige Studien eigentlich nicht mehr geraten", scherzt der Arzt des Dorfes verletzend - als wäre Wissensdrang eine Jugendsünde.

          Sie beginnen noch recht handfest mit Landwirtschaft, dabei von "religiöser Inbrunst ergriffen", Romantiker vorm Komposthaufen, denen in ihrer Einfalt und Ungeschicklichkeit alles schiefgeht. Die Desillusion, das große Thema und Strukturprinzip der "Erziehung der Gefühle", ist in diesem Roman zu einer parodistischen Mechanik von Euphorie und Enttäuschung geworden. Auf jeden Plan folgt unweigerlich das Mißlingen: "Ein Herzenstrost waren ihm einzig die Kohlköpfe. Vor allem einer machte ihm Hoffnungen. Er entfaltete sich, schoß auf, wurde schließlich riesig und völlig ungenießbar." Die Landwirtschaft führt sie zur Konservenbereitung. Als ihnen die Einmachgläser explodieren, geraten sie in die Chemie, von hier wiederum zur Medizin. So kommen sie von Gebiet zu Gebiet. Ihre Neugier schweift nicht wahllos, sondern immer motiviert.

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