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Kleist-Preis für Max Goldt Ausgezeichneter Säulenheiliger

07.04.2008 ·  Alltagsbeobachtungen, sagt er, seien nicht seine Sache. Und doch zieht er aus dem Alltag eine gestochene Kritik der Pose und der Oberflächlichkeit. Max Goldt, der Meister der geschliffenen Meinungsspalte, erhält den Kleist-Preis 2008.

Von Oliver Jungen
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Kolumnisten verfassen Kolumnen, klar. Die Bezeichnung stammt vom lateinischen „columna“: Nicht einfach vollgeschriebene Druckspalten sind es, sondern Säulen des Feuilletons, imposant und tragfähig, selbst als Ruinen noch pittoresk anzusehen. Sie überleben alle Zusammenbrüche. In dem Moment, als man glauben konnte, die Zeit der persönlich engagierten, stilistisch geschliffenen Meinungsspalten neige sich aufgrund des friedensbewegten Toleranzedikts endgültig ihrem Ende zu, trat schelmenhaft ein neuer, lakonisch-satirischer Ton in den Kolumnen zutage. Dafür ist ein Mann mehr als alle anderen verantwortlich: Max Goldt.

Begonnen hat der heute Neunundvierzigjährige als Sänger des flotten Neue-Deutsche-Welle-Duos „Foyer des Arts“. Er schwang aber früh schon den Griffel: So rezensierte Goldt etwa für das Berliner Blättchen „Ich und mein Staubsauger“ 1987 einen katholischen Gottesdienst. Bald schnappte ihn das Satire-Magazin „Titanic“ weg, wo er - nach längerer Pause zwischen 1998 und 2005 - bis heute die meisten seiner scheinbar ganz privaten Beobachtungen (obschon er bescheinigt: „Fuck Alltagsbeobachtungen!“) veröffentlicht, die immer auch Diagnosen des Zeitgeists sind. Schließlich geschehen die meisten stilistischen Unfälle im Haushalt.

Benimmregeln durch die Hintertür

Goldt lässt liebend gern Floskeln kollidieren, die sich gegenseitig wegkürzen, siehe „Kulturbeflissenheitsfregatte“ oder „Brillenputztuchpreiserhöhung“. Seine Benimmregeln kommen durch die Hintertür, aber sind doch oft ernst gemeint: das beliebte „Pullunderverspotten“ etwa behagt ihm nicht. Die goldrichtige Forderung, dass „Körner ins Brot gehören und nicht obendrauf“, zielt auf die Oberflächlichkeit der Kultur. Sänger ist Goldt in gewisser Weise immer geblieben: Seine Lesungen sind Kultveranstaltungen, ja: Konzerte.

Goldts scharfsinnig-misstrauische „Titanic“-Texte wider die Stumpfheit des Alltags wurden in zahlreichen Büchern nachgedruckt, die zu Bestsellern aufstiegen, zuletzt „Vom Zauber des seitlich dran Vorbeigehens“ und „QQ“. Für seine Kolumnen erhält Goldt nun den mit 20.000 Euro dotierten Kleist-Preis 2008. Daniel Kehlmann hat als Vertrauensperson der Jury diese Entscheidung gefällt (und dabei wohl den „Berliner Abendblätter“-Kleist im Sinn gehabt).

Der Preis kommt just in dem Moment, wo man glauben konnte, die Zeit der lakonisch-witzigen Meinungsspalten neige sich wegen allgemeinen Leergelutschtseins ihrem allerendgültigsten Ende zu. Eine eigene Kolumne wert wäre die Untersuchung, ob es beim Preisverleih wie beim Autoverleih Sonderkonditionen gibt: Ist es billig, wenn ein Rowohlt-Autor einem anderen Rowohlt-Autor den Lorbeerkranz zuwirft?

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