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John Kennedy Toole: Die Verschwörung der Idioten : Tief im amerikanischen Süden des Herzens

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Zu seinen Lebzeiten wollte niemand John Kennedy Tooles Roman lesen. Danach wurde „Die Verschwörung der Idioten“ zum Klassiker. Das liegt vor allem an seinem irrwitzigen Figurenensemble - allen voran der Held.

          Auf dem kugelrunden Kopf eine viel zu kleine grüne Jagdmütze mit Ohrenklappen, die wie Signalzeichen waagerecht in beide Richtungen abstanden. Darunter ein paar Haarbüschel und zwei große, borstige Ohren. Ein buschiger schwarzer Schnauzbart und volle, geschürzte Lippen, in den Mundwinkeln ein Anflug von Verachtung, gemischt mit Krümeln von Kartoffelchips. Im Schatten des grünen Mützenschirms suchten Ignatius J. Reillys verschiedenfarbige Augen - eines blau, das andere gelb - die wartende Menschenmenge unter der Uhr des D.H.-Holmes-Kaufhauses nach Anzeichen von schlechtem Geschmack ab.“ - So stellt uns John Kennedy Toole die Zentralfigur seines Romans „Die Verschwörung der Idioten“ vor. Ein Antiheld? Ein Schelmenroman? Langsam.

          Ignatius J. Reilly ist zunächst einmal alles in einem: verkrachter Intellektueller und Muttersöhnchen, bärbeißiger Beobachter der Zeitläufte mit einer Vorliebe für die philosophischen Schriften des Boethius und lebensuntüchtiger Vielfraß. Mit seiner Mutter lebt er in einem schäbigen Viertel von New Orleans unter einem Dach, schreibt Traktate über Gott und die Welt und schaut seiner eigenen Selbstverwesung zu. Dann aber verursacht die Übermutter einen Autounfall, und zur Tilgung der daraus resultierenden Schulden soll der Sohnemann mit herangezogen werden. Als kleiner Angestellter einer heruntergekommenen Hosenfabrik notiert er fortan seine Erlebnisse auf Maloche im Tagebuch des selbststilisierten Jungproletariers. Denn Ignatius wäre nicht Ignatius, würde er sein vollständiges Versagen in der Berufswelt nicht als antikapitalistische Heldentat inszenieren.

          Ein Spinner stört die erkaltete Lava einer Ehe

          „Eigentlich müsste die Smithsonian Institution, diese mit nationalem Sperrmüll gefüllte Wundertüte, sich der Sache annehmen. Man müsste die ganze Hosenfabrik mit allem Drum und Dran vakuumverpackt in die die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika transportieren, und die Arbeiter müsste man tiefgefroren in ihrer typischen Pose an den Maschinen aufstellen - die Museumsbesucher würden sich vor Schreck in ihre bunten Freizeithosen machen. Die Szene vereinigt die schlimmsten Greuel aus ,Onkel Toms Hütte‘ und Fritz Langs ,Metropolis‘ zu einem Musterbeispiel mechanisierter Negersklaverei.“ Ignatius beschließt, selbst für Abhilfe zu sorgen, und ruft zum Sturm auf das Fabrik-Management.

          Der Besitzer Mr. Levy bleibt davon zunächst unberührt; viel mehr beschäftigen ihn die Pferderennsaison und die erkaltete Lava seiner Ehe. Mr. und Mrs. Levy, „die einander gegenseitig für den einzigen Einrichtungsgegenstand im Haus hielten, der zu wünschen übrig ließ“, langweilen sich seit Jahren Seit’ an Seit’vor dem Fernseher. Was dem Herrn seine Pferde sind, ist der Dame ihre elektrische Massagebank: das lustvolle Verhältnis, das sie zu dem „Brett“ unterhält, lässt den Ehemann alt aussehen, und ein Spinner wie Ignatius fehlt da gerade noch.

          Infernales Mutter-Sohn-Duo

          Ignatius’ Bemühungen um Erwerbsarbeit aber stehen weiterhin unter keinem Stern, und so macht er auch als Hotdogverkäufer eine eher mittelmäßige Figur. Um ihn herum aber enfaltet sich John Kennedy Tooles irrwitziges Figurenensemble: da ist die „Animierdame“ Darlene, die im „Night of Joy“, einer heruntergekommenen Bar, für Umsatz sorgen soll. Ihre groteske Stripteasenummer, in welcher ein Kakadu eine zentrale Rolle spielt, mag auch nicht recht ziehen: „Die Grundidee jedes Striptease ist, das weibliche Geschlecht zu erniedrigen und zu beleidigen“,weiß Lana Lee, die Chefin der Bar, die hinter dem Geld her ist wie der Teufel hinter den armen Seelen, und dafür ist Darlenes Nummer einfach zu unbeholfen.

          Da ist Jones, der farbige Putzmann des „Night of Joy“, der für einen Hungerlohn die Böden schrubben muss, als selbsternannter Agent der Bürgerrechtsbewegung aber zugleich von gezielter Sabotage des ohnehin abgewirtschafteten weißen Amüsierbetriebs träumt.Und dann ist da noch der arme Wachmann Mancuso, ein erfolgloser Streifenpolizist, der das Pech hat, den Unfall von Ignatius’ Mutter aufnehmen zu müssen - und von da an das infernale Mutter-Sohn-Duo ausweglos an der Backe hat. Von seinem Vorgesetzten dazu verdonnert, in wechselnder Verkleidung „Perverslingen“, Drogenschmugglern, Taschendieben oder sonstigen Kleinkriminellen aufzulauern, wartet Mancuso auf den einen großen Fall, der seine Karriere voranbringt. Das „Night of Joy“ wird ihm Gelegenheiten bieten.

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