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: Jetzt muss die Welt sich selber retten

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Es ist der letzte Fall. Definitiv. Ein kurzes Telefonat mit dem Verlag bestätigt noch mal, was hinten auf dem Umschlag steht. Es könnte zwar sein, dass die Tochter weitermache, sie arbeite ja jetzt auch als Polizistin. Aber für Kommissar Kurt Wallander aus Ystad sei es nach diesem Buch aus und vorbei.

          Es ist der letzte Fall. Definitiv. Ein kurzes Telefonat mit dem Verlag bestätigt noch mal, was hinten auf dem Umschlag steht. Es könnte zwar sein, dass die Tochter weitermache, sie arbeite ja jetzt auch als Polizistin. Aber für Kommissar Kurt Wallander aus Ystad sei es nach diesem Buch aus und vorbei. "Der Feind im Schatten", so heißt sein letzter Auftrag. Sechshundert Seiten ohne Wiederkehr. Sie haben wohl noch nicht bis zum Ende gelesen, sagt die Verlagssprecherin, sonst wüssten Sie, dass es gar nicht weitergehen kann. Oder soll ich es Ihnen schnell verraten?

          Vor genau zwei Jahren hatte Henning Mankell Journalisten ins Wiener Hotel "Sacher" zum Interview eingeladen. Damals, um einen seiner anderen Romane zu präsentieren, die sich zwar gut verkauften, die für seine Abermillionen Leser aber wohl immer irgendwie den Weg zum nächsten Wallander verstellt hatten, elf Jahre lang, seit dem neunten Fall, "Die Brandmauer" von 1998. Danach war also Pause gewesen, die Zeit verstrich mit einem nachgereichten Erzählungsband über Wallanders frühe Jahre und drei verschiedenen Fernsehverfilmungen, in denen drei verschiedene Schauspieler dem schwedischen Polizeibeamten ein Gesicht zu geben versuchten. Der letzte, Kenneth Branagh, hat das am besten geschafft.

          In Wien, im Mai vor zwei Jahren, draußen strömte der Regen, saß drinnen Mankell in hellem Leinen, die Uniform für die Leute seiner Generation. Sechzig war er gerade geworden, hellrot stand ihm die Farbe im Gesicht, er war eben nämlich von Dreharbeiten mit dem ZDF für eine Afrika-Reportage zurückgekommen und ziemlich begeistert davon, dass am nächsten Tag sein historischer Familienthriller "Der Chinese" in dreißig Ländern gleichzeitig erscheinen sollte. Damals endete unser Gespräch mit der Frage, ob und wann es einen neuen Wallander geben würde. "Wie es jetzt steht", sagte Mankell gedehnt, wie oft hatte er wohl schon darauf antworten müssen, "würde ich es mit James Bond halten: Sag niemals nie. Schauen wir mal, was passiert. Mehr kann ich nicht sagen."

          Dreizehn Monate später, im Juni 2009, war "Der Feind im Schatten" fertig, so lautet jedenfalls das Datum unter Mankells Nachwort. Wenn ich jetzt das Band aus Wien noch einmal abhöre, dann waren damals schon viele der Elemente im Gespräch, aus denen sich dieser letzte Fall Kurt Wallanders zusammensetzen sollte, aber da sie zugleich auch die Elemente sind, aus denen Henning Mankell sein Weltbild fügt, fällt es schwer zu sagen, ob er schon kompositorisch im letzten Wallander-Buch steckte oder ob sich dieses Buch nicht eher von selbst aus der Lage der Dinge entwickelte, wie er sie sieht.

          Diese Elemente sind: Solidarität als Kitt der Gesellschaft. Die zweifelhafte Rolle Amerikas in der Welt. Vergangenheitsbewältigung der Menschen, der Nationen. Ost gegen West.

          Klingt das nach Krimi? So waren aber Wallanders Fälle immer. In diesem letzten werden sie alle noch mal kurz gestreift, Figuren alter Folgen schauen vorbei, Wallanders Frauen liegen noch einmal in seinem Bett, aber allein. Denn "Der Feind im Schatten" ist ein Abschiedsbuch geworden, der Ton ist Herbst, überhaupt spielen die Jahreszeiten eine große Rolle. Wallander sieht sie kommen und gehen, unterdessen löst er einen Fall, der gar nicht seiner ist, eigentlich hat er Urlaub. Aber da ein Mann wie Wallander nicht einfach Urlaub hat, wo sollte er dann zum Beispiel das Weltgewissen hinlegen, das er mit sich herumträgt, ermittelt er eben. In der eigenen Familie.

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