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Jana Simon: Sei dennoch unverzagt : Revolution? Wie kommt ihr denn darauf?

  • -Aktualisiert am

Bild: Ullstein Verlag

Jana Simon hat ihre Großeltern Christa und Gerhard Wolf befragt. Im Generationengespräch mit der Enkelin vermischen sich Privates und Politisches, die Kämpfe von heute und das Nachleben der ausgebremsten Utopien von gestern.

          Irgendwie ist die Vergangenheit besser. Sie ist zumindest vorbei.“ So sagte es einmal die große schwedische Autorin Kerstin Ekman. In dieser abgeklärt-ironischen Sentenz schwingt der Gedanke mit, dass sich im Rückblick aufs menschliche Theater vieles relativiert, was, als es noch gegenwärtig war, unabdingbar und einzig gültig schien. Das milde Licht, in dem das vormals Aufreibende erscheint, wirft erst die Erleichterung darüber, dass es vergangen ist. Auch Jana Simons neues Buch trifft der Schein dieser milden Lampe.

          „Sei dennoch unverzagt“ versammelt sechs Gespräche, die Simon mit ihren Großeltern über einen Zeitraum von vierzehn Jahren hinweg führte. Jana Simon ist Journalistin. In diesem Buch aber ist sie vor allem die Enkelin von Christa und Gerhard Wolf, die sich ihrer Herkunft vergewissern will und sich ungeschützt den Gestus der naiven Fragerin gibt: „Erzähl mal, Oma, wie war das nach dem Krieg...“ Zunächst sitzt die Fünfundzwanzigjährige im Jahr 1998 bei Kaffee und Kuchen im Wohnzimmer ihrer Großeltern in Berlin-Pankow und weiß nicht so genau, wo anfangen und wohin mit ihrem Vorhaben. „Ich weiß gar nicht viel über euch, über eure Vergangenheit.“ So lautet der Gesprächsbeginn, der von Christa Wolf sofort pariert wird: „Dann lies einfach ,Kindheitsmuster‘.“ Aber Jana Simon hat nicht vor, sich mit Leben und Werk auseinanderzusetzen. Das bekennt sie im Vorwort. Sie möchte ein privates Gespräch mit den Großeltern führen, im Vertrauen darauf, dass die spontane Mündlichkeit eine andere, vielleicht authentischere, zumindest aber familiärere Seite dieser wichtigen deutschen Autorin und ihres Mannes, des Schriftstellers, „Janus press“-Verlegers, Lektors und Kunstkenners Gerhard Wolf, hervorbringt, als es Tagebücher oder literarische Texte vermögen. Dass Jana Simon auch nach einem Abstand von vierzehn Jahren diese ersten tastenden Fragestellungen nicht konkretisiert und für die Veröffentlichung zugespitzt hat, macht das Buch in seinem Ansatz sympathisch.

          Zwei Generationen, zwei Welten

          Den Anstoß zu den Gesprächen gibt Christa Wolf viele Jahre früher selbst, als sie der Enkelin ihr Gesamtwerk unter den Weihnachtsbaum legt, versehen mit persönlichen, handschriftlichen Notizen an die damals erst Sechzehnjährige. Auf die ersten Buchseiten der Ausgabe von „Nachdenken über Christa T.“ notierte Wolf: „Ich war zwischen dreißig und vierunddreißig Jahre alt, in vielem naiver, als selbst ihr sechzehnjährigen es heute seid...“ Damit leitet sie einen Vergleich der Generationen ein. Denn obwohl die Gespräche zunächst als privates Familienprojekt geplant waren, wurde Jana Simon im Laufe der Zeit das Exemplarische ihres Vorhabens bewusst: Es geht um den Blick der einen auf die anderen.

          Auf der einen Seite die, deren Erfahrung durch Weltkrieg, Flucht und zwei Diktaturen geformt wurde, auf der anderen Seite die Jüngeren, die außer dem Mauerfall kein kollektives politisches Ereignis verbindet und deren Ansichten nicht länger durch ideologische Fronten untermauert sind, sondern durch komplexe politisch-wirtschaftliche Zusammenhänge und die Vielschichtigkeit globaler Probleme ins Vage, Diffuse, Flexible gerückt werden.

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