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Hilary Mantel: Wölfe : Der verheimlichte Held

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Bild: Verlag

Der Booker-Preis-Gewinner des letzten Jahres: Hilary Mantel hat in der Figur Thomas Cromwells am Hof Heinrichs VIII. eine überreiche historische Thematik. Doch ist dies kein historischer Roman, sondern ein hochmodernes literarisches Meisterwerk.

          Schade: auf neuerlichen Befehl des Königs sollte Thomas Cromwell nun doch nicht verbrannt werden. Seine findigen Feinde aber hatten vor der Hinrichtung spätabends den trinkseligen Henker Gurrea derart beflissen unter Alkohol gesetzt, dass er an jenem sonnenhellen Sommermorgen 1540 halbtrunken und verkatert den zitternden Nacken Cromwells verfehlte und mit leidlich geschliffener Axt so erbittert lange auf ihm herumhackte, bis Cromwell tot und sein vom Rumpf getrenntes Antlitz wie eine Monstranz endlich der Menge zu zeigen war.

          Exekutionen waren ein hocherregend festliches Ereignis zu jener Zeit. Kein nobleman von Geburt, hätte es Cromwell noch weitaus unbequemer treffen können: gehängt, bei vollem Bewusstsein kastriert, ausgeweidet und gevierteilt oder von regenfeuchtem Holz umstapelt, das nicht recht brennen will.

          Jubelfeuer zur Hinrichtung

          Dennoch wusste sich das Publikum vor Schaulustigkeit kaum zu fassen, und als den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Karl V. und Großen, die Nachricht vom Tod des ehemaligen Lord- und Schatzkanzlers, Großsiegelbewahrers, Generalvikars, spymaster und „Satanssohns“ überraschte, fiel er auf die Knie und dankte Gott – dem seinen, katholischen – für diesen untrüglichen Gnadenerweis. Er war nicht der einzige: Vom Londoner Tower aus hatte Cromwell die Nächte zuvor noch den Widerschein jener Jubelfeuer beobachten können, die nach der Urteilsverkündung entfacht worden waren. Es war, als stünde die Stadt in Flammen.

          Sein König war indessen mit dem fleischlich Nächstliegenden beschäftigt wie immer: Am Tag von Cromwells Hinrichtung heiratete Henry VIII., der so exekutionslustig wie in kokett Mädchenhaftes vernarrt war, Catherine Howard, Gattin Nr. 5, eine Sechzehnjährige diesmal – im Nachhinein der unglücklichste Moment seiner Blaubartbiographie und im Grunde bereits das schmierenkomödienfade Finale seiner Königskarriere. Nach Cromwells Tod ging es bergab mit ihm: Zersetzt von glücklosen Kriegen, der Syphilis, Fettsucht und den Erosionen seines Zorns, hatte er am Ende wie nebenbei bis zu siebzigtausend Menschen liquidieren lassen.

          Sechs Ehefrauen, aber nicht genug Kinder

          Cromwells wehleidig-nichtskönnerischer Gönner, Kardinal Wolsey, war ein Jahrzehnt vor Cromwells Schlachtung über sein Unvermögen gestolpert, Henrys Ehe mit Nr. 1, Katharina von Aragonien, zu annullieren. In aller Stille hatte Cromwell Wolseys Platz erobert und die Ehe mit der hochbegehrten Nr. 2 Anne Boleyn wider päpstliche Erlaubnis arrangiert; doch wollte der ehrgeizigen Anne lediglich eine Tochter gelingen, die spätere Elizabeth I., und zwei Fehlgeburten später folgte Cromwell mit noch heute unglaubhaft infamer Geschicklichkeit Henrys Willen, Anne Boleyn köpfen zu lassen, damit ihn die bereits hinter den hellhörigen Mauern lauernde Jane Seymour von Wolf Hall mit einem Thronfolger versorgen möge. Den gebar Nr. 3 denn auch; und verstarb.

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