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G. K. Chesterton: Der Mann, der zu viel wusste : Das Verbrechen des Detektivs

Bild: Manesse Verlag

Albträume in englischen Parklandschaften: G.K. Chestertons Kriminalgeschichten, neu aufgelegt, zeigt seine Meisterschaft jenseits von Spürnasenfolklore.

          Vor fünfzehn Jahren erschien in der kurz danach leider eingegangenen Zeitschrift „The Armchair Detective“ ein Aufsatz mit dem hübschen Titel „Der Fall der vergessenen Detektive“. Er handelt von denjenigen Ermittlern im Werk des 1874 geborenen Gilbert K.Chesterton, die nur noch die wenigsten kennen. Warum? Weil der eine berühmte, beliebte und oft verfilmte Pater Brown sie alle verdeckt. Chesterton, das ist für viele: der Mann, der Pater Brown erfand.

          Und wer ist Pater Brown? Er ist ein einziger Protest gegen Kriminalgeschichten in der Tradition Arthur Conan Doyles, die alles auf Sachinformationen als den Schlüssel zur Lösung der Fälle setzen. Bei Chesterton führen nicht unbenutzte Theaterkarten oder getippte Liebesbriefe zum Täter, sondern soziale Sünden, Verstöße gegen den Verstand, übertriebenes Blendwerk. Jemand gibt sich als schlechter Jäger aus, indem er, anstatt das Wild zu treffen, einen Wetterhahn vom Dach holt. Aber so genau daneben trifft nur ein übermütig guter Schütze.

          Chesterton ist eben mehr als „Pater Brown“

          Den Verdacht, nicht Spuren, sondern Widersprüche führten zum Mörder, hat Chesterton zunächst mittels anderer Detektive artikuliert. Schon Basil Grant aus „The Club of Queer Trades“ von 1904 weiß alles, obwohl er seine Mansarde nicht verlässt. „Jede Spur weist in eine Richtung, im allgemeinen in die falsche“, heißt es dort ausdrücklich gegen Sherlock Holmes. Die Geschichten in „Menschenskind“ von 1912 wiederum handeln alle von demselben Verbrecher, der am Ende aber gar keiner ist, was nachzuweisen es zweier Detektive, Cyrus Pym und Michael Moon, bedarf. Auch in „Four Faultless Felons“ von 1930 – zu Deutsch etwa: Vier Verbrecher ohne Fehl – werden die Protagonisten der Tugend überführt, hier allerdings durch sich selbst. Gabriel Gale wiederum, der Detektiv in „Der Dichter und die Verrückten“ von 1929, gehört zu den Figuren, die den Kopf schief halten und darum sehen, dass manche Dinge in der Welt falsch aufgestellt sind. Und schließlich gibt es den stillen, seine inneren Monster nur ganz kurz auftauchen lassenden Mr.Pond, dessen Fälle, darunter einige der schönsten Chestertons, in seinem letzten, 1937 postum publizierten Buch, „The Paradoxes of Mr.Pond“, versammelt sind.

          Wir geben das alles so ausführlich wieder, um deutschen Verleger zu empfehlen, was der Manesse Verlag von sich aus getan hat: anstatt wieder und wieder die gewiss netten Father-Brown-Geschichten zu drucken, uns das von ihnen überschattete immergrüne Werk eines der herrlichsten Schriftsteller aller Zeiten neu zu erschließen. In „Der Mann, der zu viel wusste“ – mit dem zwei Filme Alfred Hitchcocks übrigens außer dem Titel rein gar nichts zu tun haben –, das 1922 herauskam und erstmals 1925 ins Deutsche übersetzt wurde, geht es um den Detektiv Horne Fisher.

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