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Samstag, 11. Februar 2012
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Feuer brennt nicht

03.03.2009 ·  Ralf Rothmanns Roman als Vorabdruck in der F.A.Z.

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Ein Paar. Er Schriftsteller, sie ausgebildete, aber nicht praktizierende Buchhändlerin. Zusammenlebend, aber nicht verheiratet. Getrennte Arbeitszimmer, gemeinsames Bad. Keine Kinder, ein Hund.

Die Steckbriefe der Liebe verraten nicht viel. Sagen nicht, dass diese Frau diesen Mann mehr liebt als ihr eigenes Leben. Erzählen nicht, wie sehr der Mann die Frau begehrt. Verschweigen, dass er älter ist als sie, nicht erheblich, aber genug, um darüber nachzudenken. Sagen nicht, dass der Mann die Frau betrügt.

Ralf Rothmanns neuer Roman "Feuer brennt nicht", den wir von heute an vorabdrucken, ist anders als die früheren Werke des 1953 geborenen Schriftstellers, der längst als einer der wichtigsten, besten Erzähler der Gegenwart etabliert ist. Zwar wendet sich Rothmann erneut mit bestechend klarem Blick der eigenen Generation zu, wie schon in "Flieh, mein Freund!" (1998), zwar zeichnet er die einengende Wohnsituation ähnlich intensiv wie in "Milch und Kohle" (2000) und das Milieu in Berlin-Friedrichshagen mit einer an "Junges Licht" (2004) erinnernden Anschaulichkeit - und doch ist "Feuer brennt nicht" anders, radikaler, angreifbarer, von existentieller Wucht. "Klar sein, sich klar ausdrücken, ohne dem Terror der Eindeutigkeit nachzugeben": Dieses Ideal, das der Protagonist, der Schriftsteller Wolf, aufstellt - Rothmann erfüllt es. Und was die auffallenden Ähnlichkeiten zwischen Held und Autor angeht, so heißt es gleich zu Beginn: "Von sich zu schreiben in der ersten Person geht selten ohne Verstellung . . . So bleibt nur die dritte Person, eine dürftige Tarnung, womöglich mit sprechendem Namen."

Es sind keine die Nähe erleichternden Nachbarschaften, die hier geschildert werden: So wie an diesem ehemals noblen Rand von Berlin Ost und West ihre gegenseitigen Irritationen konservieren, bringt auch das Zusammenleben mit Alina vor allem Wolfs schlechte Seiten, das "Gewittern in seinem Wesen" zum Vorschein. Bis eine frühere Geliebte wieder in sein Leben tritt und ihm abendelang die Flucht vor den "Details der Zweisamkeit" ermöglicht, eine Pause von der Wohnhölle, nicht, da ist er sich sicher, von der Liebe zu Alina. Er folgt schließlich nur seiner Natur: Das Sexuelle "ist ihm seit je das Hauptsächliche im Leben" - und ein großes Thema dieses Romans.

Die Konstellation - der Mann, der sich nicht selbst treu bleiben kann, ohne der Frau, die ihn liebt, untreu zu werden; die Frau, die ihr einziges Talent darin sieht, diesen einen Mann zu lieben; die frühere, wieder aktuelle Geliebte, die mehr nicht sein will; der Hund, der die Eifersucht des Mannes weckt, weil er mit der Frau im Einklang zu sein scheint und so das häusliche Verhältnis karikiert - erinnert an Kunderas "Unerträgliche Leichtigkeit des Seins". Gebrochen wird sie, hier wie da, von Zeichen des Todes. Der Mann neigt zur fatalistischen Selbstdiagnose, die sich nie bestätigt. Die Frau, deren unerschöpfliche Energie Robustheit signalisiert, träumt von ihrem Tod. "Weh dem, der nicht im Schutz der Liebe altert": Ralf Rothmann hat eine große Reflexion über Altern und Männlichkeit, Liebe und Begehren, Freiheit und Abhängigkeit geschrieben.

FELICITAS VON LOVENBERG

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2009, Nr. 52 / Seite 31
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