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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Feridum Zaimoglu: Liebesbrand Feuer fangen

17.06.2008 ·  Am Anfang steht die Todeserfahrung. In Feridun Zaimoglus „Liebesbrand“ geht es nicht um Menschen, es sind Begegnungen und Verwandlungen, die zählen. Tyra und David sind nebensächlich. Wichtig ist, was in Bewegung gerät, als sie sich das erste Mal treffen.

Von Claudia Schülke
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Er ist ein Stalker. Aber nur auf den ersten Blick. David hat der Liebe ins Auge gesehen und sucht sie nun auf Schritt und Tritt. Aber es war keine Liebe, sondern Erste Hilfe, die Tyra geleistet hat, als sie ihm nach einem Busunfall in der Türkei das Blut von der Stirn wischte.

In Nienburg an der Weser stöbert er seinen rettenden Engel auf. „Ich will dein Geliebter sein“, erklärt er ihr kurz und bündig. Welche Frau würde da nicht zum Handy greifen und Hilfe rufen? Aber die blonde Ehefrau und Mutter zweier Kinder bleibt cool. Und David, der betuchte Börsenmakler außer Dienst, bekennt kleinlaut: „Ich hatte doch nur angefangen, mich zu sehnen.“

Ist das Post-Neo-Romantik? Das blaue Medaillon auf Tyras Ring legt die Vermutung nahe. Aber: „Es geht gar nicht um Tyra. Sie ist für David nur ein Anlass, um in Brand zu sein“, kommentierte Feridun Zaimoglu seinen jüngsten Roman jetzt in der Romanfabrik.

Es geht um die Begegnung

Deshalb hat der Schriftsteller aus Kiel seine ausschweifende Geschichte „Liebesbrand“ (Kiepenheuer & Witsch) genannt: „ein Buch der Wandlungen und Verwandlungen“. Tatsächlich wandelt sich Tyra zu einer Anhängerin christlicher Volksfrömmigkeit, während David dem Geheimnis der Liebe auf die Spur kommt. Zuletzt ist er dem religiösen Wurzelgrund näher als die Pilgerin, die sich mit Wallfahrtsmedaillen behängt. Es geht Zaimoglu nicht um die einzelnen Menschen, nicht um Tyra und David noch um dessen Freund Gabriel oder die Prager Schauspielerin Jarmila.

Es geht um das, was zwischen diesen Menschen passiert: um die Begegnung, die das Feuer der Liebe entfacht, um Reinigung und Läuterung. Wo Tyra vom Fegefeuer phantasiert, da schmort David in seiner Sehnsucht. Das kann man romantisch nennen wie in der westlichen Literaturtradition seit dem 19. Jahrhundert oder mystisch, wie in den religiösen Traditionen des muslimischen Sufismus und des esoterischen Christentums. Immer ist es das Liebesbrennen, das die Menschen verwandelt und über sich selbst hinauskatapultiert.

Nicht Tyra ist die wahrhaft Erweckte, auch wenn sie sich als solche empfindet. David vielmehr „erwacht“ nach einem Nahtoderlebnis im Inferno des brennenden Busses: „Es wurde dunkel, es wurde hell. Dann starb ich.“ Die Todeserfahrung steht am Anfang eines Prozesses, der das erzählende Ich aus dem Ego-Gleis wirft und vor das „Tor“ stellt, das „Tyra“ heißt.

David geht hindurch, nur dass er seine Hohe Frowe mit Haut und Haaren liebt. Zaimoglu, der türkische Deutsche, hat mehr als einen gängigen Liebesroman verfasst. Er hat das innere Lodern der Sufis und Troubadoure, die Erotik des Hoheliedes und des Juan de la Cruz im Pathos seiner eigenen archaisierenden Prosa fortgeschrieben: ein westöstliches Purgatorio.

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