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: Düsentriebtheorie

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Heinrich August Nölting, im Jahre 1825 geboren, hat ein unauffälliges Leben im Patentamt der lippischen Residenzstadt Detmold geführt, als er von der Erfindung eines Automobils erfährt. Daraufhin beginnt er eine Theorie des Erfindens schlechthin auszutüfteln: "Umstände und Bedingungen zur Herstellung eines neuen Verfahrens zur Herstellung von etwas Unbekanntem".

          Heinrich August Nölting, im Jahre 1825 geboren, hat ein unauffälliges Leben im Patentamt der lippischen Residenzstadt Detmold geführt, als er von der Erfindung eines Automobils erfährt. Daraufhin beginnt er eine Theorie des Erfindens schlechthin auszutüfteln: "Umstände und Bedingungen zur Herstellung eines neuen Verfahrens zur Herstellung von etwas Unbekanntem". An ein Ende gelangt er damit nie, vielmehr kommt er allmählich selbst seiner technikbegeisterten Zeit abhanden. Und deshalb lebt er, wenn er nicht gestorben ist, womöglich noch heute. Genau kann man das nicht wissen, weil sein Erfinder ihn zu Beginn des neuen Jahrhunderts im Unbestimmten verschwinden lässt. Rolf Schönlaus Novelle um einen versponnenen Außenseiter, der zur Gegenfigur eines technikgläubigen Jahrhunderts wird, unternimmt mit sanfter Ironie ein Gedanken- und Erzählexperiment. Wenn Nölting zwischen Relativitätstheorie und Panzertechnik schließlich ahnt, "dass mit jeder Erfindung das dazugehörige Versagen gleich miterfunden wird", dann gleitet das pastichehafte Spiel mit dem neunzehnten Jahrhundert unaufdringlich hinüber in eine Parabel der Moderne. Die eröffnet nun eine neue Reihe von "Wissenschaftsromanen"; und überraschender und unterhaltsamer als mit Schönlaus souverän erzählter Geschichte hätte das Unternehmen kaum beginnen können. (Rolf Schönlau: "Nölting oder Die Erfindungsfolter". Novelle. Axel Dielmann Verlag, Frankfurt 2008. 72 S., geb., 17,- [Euro].) det

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2008, Nr. 204 / Seite 34

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