20.07.2004 · Der Roman "legende" vermählt sozialistischen Realismus mit magischem, so daß eine Literatur der zur Kunst gesteigerten tätigen Vernunft herauskommt, die man woanders lange suchen muß.
Der 1999, fast ein Jahrzehnt nach dem Tod seines Autors Ronald M. Schernikau erschienene Roman "legende" vermählt auf achthundert Seiten den magischen Realismus der Südamerikaner und den sozialistischen der ehemaligen halben Welt, so daß eine Literatur der zur Kunst gesteigerten tätigen Vernunft herauskommt, die man woanders lange suchen muß.
Es gibt in diesem meinem herrlichen deutschen Lieblingsbuch Kommunisten, Schlagersängerinnen, Schokoladenfabrikanten, Idioten und Erleuchtete, aber nicht einfach "wie im richtigen Leben", sondern wie in der großen Epik - das Schicksal schaut seine Figuren eben unschärfer an als der wahre Dichter. Die neue Rechtschreibung gibt es in "legende" nicht, dafür waltet hier konsequente Kleinschreibung, vermutlich, weil der Verfasser damit, alles klein zu schreiben, einen Ausgleich dafür bereitstellen wollte, daß es so groß gedacht ist.
Und ein paar schöne Aphorismen wider dezentralisierte, postmoderne, zerstreute Antiglobalisierer-Verniedlichung des Politischen liefert er außerdem - "machen wir uns nichts vor: staatspolitik ist militärpolitik, kulturpolitik ist wirtschaftspolitik, bürgerinitiativen sind pipifax". Darauf einen Noam Chomsky.