Home
http://www.faz.net/-gr4-vuk2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Die doppelte Lerche

Ja, natürlich haben sie einander lieb, die Eltern und ihre unverheiratete Tochter, die sie zärtlich "Lerche" nennen. Und natürlich hält man zusammen in der ungarischen Kleinstadt Sárszeg, wo die drei sich eingerichtet haben, wo nichts Bemerkenswertes geschieht und wohin kein Lärm aus den aufgeregten Metropolen der vorletzten Jahrhundertwende dringt.

Ja, natürlich haben sie einander lieb, die Eltern und ihre unverheiratete Tochter, die sie zärtlich "Lerche" nennen. Und natürlich hält man zusammen in der ungarischen Kleinstadt Sárszeg, wo die drei sich eingerichtet haben, wo nichts Bemerkenswertes geschieht und wohin kein Lärm aus den aufgeregten Metropolen der vorletzten Jahrhundertwende dringt. Dann aber reist Lerche im Frühherbst 1899 für eine Woche zu Verwandten, und die trauernden Eltern hören irgendwann auf, sich um die Tochter zu sorgen, sie schütteln nach und nach die Erinnerung an das eiserne Regiment dieser ebenso reizlosen wie schwierigen Person ab. Und eines Abends, der Vater hat unerhörterweise einiges über den Durst getrunken, bricht es aus ihm heraus: "Wir lieben sie nicht. Wir hassen sie. Verabscheuen sie." Dezso Kosztolányis brillanten Roman "Lerche", erstmals 1924 erschienen und schon bald ins Deutsche übertragen, kann man seit diesem Herbst in gleich zwei neuen, wunderlicherweise beide von der "Hungarian Book Foundation" geförderten Übersetzungen lesen. Weil beide ihre Qualitäten haben und von großen Könnern herrühren, kann man nicht einmal dadurch eine Entscheidung für das eine oder andere Buch treffen. Lieber hielte man endlich im Zuge der Kosztolányi-Renaissance der letzten Jahre neben "Lerche" auch eine neuübersetzte Sammlung seiner Erzählungen jenseits von "Kornél Esti" oder auch seiner Gedichte und Kritiken in Händen. Und was ist mit den Feuilletons? (Dezso Kosztolányi, "Lerche". Roman. Aus dem Ungarischen übersetzt von Christina Viragh. Mit einem Nachwort von Péter Esterházy. Manesse Verlag, Zürich 2007. 304 S., geb., 17,90 [Euro]; "Lerche". Roman. Aus dem Ungarischen übersetzt von Heinrich Eisterer. Mit einem Nachwort von Ilma Rakusa. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007. 217 S., geb., 14,80 [Euro].) spre

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2007, Nr. 261 / Seite 38

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Im Kino: Timbuktu Am Anfang war Gewalt

Abderrahmane Sissakos Film Timbuktu zeigt den Albtraum des islamistischen Wütens - und ruft zugleich die Sanftmut als die Quelle des Widerstands auf den Plan. Meisterhaft ist auch die Bildsprache der Kamerafrau Sofiane El Fanisi. Mehr Von Hans-Jörg Rother

12.12.2014, 13:47 Uhr | Feuilleton
Ehe auf Zeit im Iran Liebe und Sex unter den Augen der Mullahs

Im Iran ist ein Zusammenleben eines unverheirateten Paares kaum denkbar, sexueller Kontakt ohne Trauschein streng verboten. Doch scheint sich das islamische Land zu verändern, immer mehr Ehen werden geschieden und die Ehe auf Zeit wird populärer. Mehr

21.10.2014, 12:49 Uhr | Gesellschaft
Wieland Backes im Gespräch Meine Frau sagt, ich sei oft peinlich

Moderator Wieland Backes hört mit seinem Nachtcafé auf – nach mehr als 27 Jahren. Vieles hat sich in dieser Zeit verändert, seine Talkshow jedoch kaum. Ein Gespräch über gute Gespräche. Mehr

12.12.2014, 14:18 Uhr | Gesellschaft
Clinton-Baby aus dem Krankenhaus nach Hause

Chelsea Clinton strahlte, als sie mit ihrer ganz kleinen Tochter Charlotte das Lenox Hill Hospital in New York verließ. Begleitet wurde Frau Clinton von ihrem stolzen Ehemann, dem Investmentbanker Marc Mezvinsky, und ihren Eltern, Hillary und Bill Clinton. Mehr

30.09.2014, 17:36 Uhr | Gesellschaft
Alter was geht Im Winde zerweht

Als Kind hat er nie einen Drachen gebaut und steigen lassen. Doch unser Autor will wenigstens ein guter Vater sein und hat versucht, den Elementen und dem eigenen Ungeschick zu trotzen. Aus der Serie Alter, was geht?. Mehr Von Jörg Thomann

13.12.2014, 19:19 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.11.2007, 12:00 Uhr