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: Der Kaffee, das bin ich

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Ein zweijähriger Wehrdienst, darunter stellt man sich vor: Gewaltmärsche, Waffen auseinandernehmen und reinigen, Schießübungen, durch Schlamm robben. Das alles in kratzigen Uniformen und bevorzugt um fünf Uhr morgens, während ein profilneurotischer Ausbilder einem Anweisungen ins übermüdete Gesicht ...

          Ein zweijähriger Wehrdienst, darunter stellt man sich vor: Gewaltmärsche, Waffen auseinandernehmen und reinigen, Schießübungen, durch Schlamm robben. Das alles in kratzigen Uniformen und bevorzugt um fünf Uhr morgens, während ein profilneurotischer Ausbilder einem Anweisungen ins übermüdete Gesicht brüllt. Die Hauptfigur in Michal Zamirs Roman "Mädchenschiff" hat es da auf den ersten Blick besser getroffen. Dank der Verbindungen ihres Vaters leistet sie ihren Dienst am israelischen Vaterland als Bürokraft in einer Hochschule, die zukünftige Offiziere ausbildet. Besonders aufreibend ist ihre Arbeit nicht, eigentlich liefe alles auch prima ohne sie - nur der Kaffee nicht, den Samowar weiß nämlich nur sie zu bedienen. "Der Kaffee, das bin ich", teilt sie dem Leser früh mit.

          Was entspannt und schlimmstenfalls langweilig klingt, ist aber nicht die erwartete Insel der Seligen. Fünfmal wird die junge Frau schwanger, bevor sie überhaupt das zwanzigste Lebensjahr erreicht. Dafür gibt es einen Haufen Gründe, von denen nicht alle stichhaltig sind: Die Pille verträgt sie nicht. Die Spirale will man ihr auch nach der zweiten Abtreibung nicht einsetzen, weil die Risiken zu groß sind. Ansonsten ist ihr Verhältnis zur Verhütung ein bemerkenswert gleichgültiges; sie hält sie für wirkungslos: "Ich hab den Körper für Schwangerschaften. Selbst wenn keiner mit mir schläft, werde ich ab und zu schwanger. Das ist seelisch bedingt."

          Den Nachweis der unbefleckten Empfängnis bleibt die junge Frau allerdings schuldig, denn ihre Schwangerschaften kommen auf ganz natürlichem Weg zustande - wenn auch nicht immer völlig freiwillig. Und auch hier offenbart sich ihre gleichgültige Abgestumpftheit: Zu Vergewaltigungen kommt es nicht, denn sie kann sowieso nicht nein sagen. Also schläft sie mit den ältlichen Offizieren, die die Hochschule leiten, weil jene ihre nicht heftig genug ausgedrückte Abscheu zu ignorieren wissen. Das lädt geradezu ein, mal wieder ein paar Gemeinplätze zu dreschen über Frauen, die es ja gar nicht anders wollen und mit denen man schließlich umspringen kann, wie man will - ohne dass sie sich wehren. Zumal diese junge Frau ansonsten einen äußerst zurechnungsfähigen Eindruck macht. Die Gründe für ihr Verhalten lassen sich allerdings in einem kleinen Satz erahnen. "Ich hätte so gern, dass er mich umarmt", sagt sie über einen der Bettgenossen, für den sie keinerlei Gefühle hat.

          Denn diese Hochschule voller junger Frauen und alter Männer ist tatsächlich wie ein Schiff, von dem der Titel spricht: Der Kontakt zur Familie wird immer spärlicher, alle menschlichen Bedürfnisse müssen hausintern erfüllt werden. Da kann man schon mal Zuneigung suchen bei jemandem, den man eigentlich für ungeeignet hält. Und die Hauptfigur ist nicht die einzige, der es so geht; nicht ohne Grund bleibt sie namenlos. Sie dient als extremes Beispiel für all die anderen Mädchen, die sich mit Sex über ihre verlorenen Träume hinwegtrösten wollen. Nur zwei Armeeangehörige wagen es, die Konsequenzen zu tragen: Eine junge Frau trägt ihr vaterloses Kind auf dem Stützpunkt aus, und ein Offizier verlässt vorübergehend seine Familie für seine hübsche Sekretärin. Beide verlieren ihre Position.

          Michal Zamir legt Wert darauf, dass ihr Buch nicht autobiographisch ist, auch wenn sie im gleichen Alter wie ihre Hauptfigur selbst den Militärdienst leistete. Es habe trotzdem zwanzig Jahre gedauert, bis sie diesen Roman habe schreiben können. Möglicherweise hat sie ja zumindest die eigenartige Atmosphäre auf dem "Mädchenschiff" selbst erlebt, von der sie jetzt so überzeugend erzählt. Die Figuren wirken wie eine zusammengewürfelte Oberstufe, die man mit einem Haufen Alkohol, aber dafür ohne Aufsicht für zwei Jahre ins Schullandheim geschickt hat: Orientierungslos, exzessfreudig und mit einem zunehmenden Hang zum Sozialdarwinismus, leichte Aufwallungen von Hoffnung und Romantik inklusive.

          Zamirs Sprache spiegelt diesen Wechsel wider, mal ist sie kurz angebunden, mal poetisch. Ohne sich hinter der sich anbietenden Ironie zu verstecken, führt sie die täglichen Absurditäten des Militärlebens vor. Besonders frappierend ist das am sogenannten "Frauenkorpstag": Die Mädchen bekommen keine Gelegenheit, ihre wahren Probleme zu besprechen. Stattdessen erhalten sie eine Unterweisung in Tages- und Abend-Make-up und flüstern währenddessen heimlich, ob man sich schon Sorgen machen müsse, wenn die Periode drei Wochen überfällig sei. Solche Szenen unterfüttern Michal Zamirs entschlossene Anklage gegen das Militär, das leichtfertig existentielle Probleme schafft, um sie dann unter viel Camouflage zu verstecken und mit etwas Wimperntusche zu schmücken.

          JULIA BÄHR

          Michal Zamir: "Das Mädchenschiff". Roman. Aus dem Hebräischen übersetzt von Ruth Achlama. Marebuchverlag, Hamburg 2007. 220 S., geb., 22,- [Euro].

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