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: Das Glück wohnt in Osnabrück

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"Wie gefällt es Ihnen hier bei uns in Deutschland?" Kann man es dem Autor Wladimir Kaminer verübeln, daß er dieses Land abenteuerlich und absurd findet, wenn er, was oft passiert, bei seinen Lesereisen immer wieder mit diesem Satz begrüßt wird. Der gebürtige Moskauer Kaminer ist längst Deutscher, ...

          "Wie gefällt es Ihnen hier bei uns in Deutschland?" Kann man es dem Autor Wladimir Kaminer verübeln, daß er dieses Land abenteuerlich und absurd findet, wenn er, was oft passiert, bei seinen Lesereisen immer wieder mit diesem Satz begrüßt wird. Der gebürtige Moskauer Kaminer ist längst Deutscher, lebt und schreibt seit 1990 in Berlin und ist mit "Russendisko", "Militärmusik" und "Die Reise nach Trulala" einer der erfolgreichsten Gegenwartsautoren heimischer Zunge geworden. Daß der Klappentext von "Mein deutsches Dschungelbuch" den Star allen Ernstes als "Jungautor" vorstellt, ist wohl als ungelenker Versuch eines Kompliments zu werten.

          Sein verdienter Erfolg hat Kaminer Hunderte von Einladungen in Buchhandlungen quer durch die Republik eingebracht (am Ende erzählt er auch von Dutzenden von Einladungen in weltweite Goethe-Institute, aber den globalen Dschungel verwahrt er sich für ein künftiges Buch). Hier spricht der Dichter nur von seinem neuen Heimatland, denn "Russe", wie Kaminer gerne betitelt wird, ist er nach dem Verlust der sowjetischen Staatsangehörigkeit ohnehin nie geworden; wahrscheinlich strebt er das nicht einmal an. Mit großem Amüsement erzählt er deshalb von einer anderen Begrüßungsformel, die ihn regelmäßig aus Lokalblättern und von Veranstaltungsplakaten entgegenlacht: "Der Russe kommt." Soviel zum deutschen Eingeborenenhumor.

          Seine literarischen Annäherungen an die deutsche Provinz basieren auf dem Staunen des Ahnungslosen. Kaminer, das gibt er selbst zu, hatte lange Berlin, namentlich den Prenzlauer Berg, für das Zentrum der Republik gehalten und wundert sich nun, daß nicht nur viele Millionen Menschen in Northeim, Regenstauf, Dormagen, Oberhausen et cetera leben, sondern fast noch mehr darüber, daß sie dort überaus glücklich sind und ihre Wohnorte für das Zentrum der Welt halten. Nicht zufällig hat eine soziologische Großumfrage nach Erscheinen dieses Buchs ergeben, daß die glücklichsten Deutschen in Osnabrück leben. Hätte Kaminer das gewußt, hätte er im Dschungelbuch gewiß den deutschen Schlager "Ich fand das Glück mit dir im Zug nach Osnabrück" zitiert. So begnügt er sich mit der korrekten Einschätzung der blühenden Bahnhofsgastronomie und der Aussage eines Lokalreporters: "Was die Kultur betrifft, ist hier wirklich viel los."

          Man sieht, die Geschichten kombinieren Überraschendes und Merkwürdiges zu einem durchweg zutreffenden Patchwork der deutschen Lande, wobei der staunende Kaminer mit der Zeit zugeben muß, daß in der Nation der Konfessionsspaltung, der unterschiedlichsten Weinanbaugebiete, der Mauer, der Mittelgebirge, der Nord- und Ostseeinseln so etwas wie eine homogene Kultur wohl gar nicht existiert. Eher sei die Frage gestattet, wo denn in Deutschland keine Provinz, wo denn eigentlich die Zentrale sei. Im fast schon britischen Hamburg? Im abspalterischen München? Gar im bankrotten Berlin?

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