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Veröffentlicht: 25.05.2017, 20:47 Uhr

Roman über die Wagners Die verzaubernde Entzauberung der Liebe

Wie Richard Wagners Stieftochter in Sizilien ihr Glück finden will: Constanze Neumann bietet in „Der Himmel über Palermo“ noch viel mehr als das Psychogramm einer berühmten Sippe.

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© Interfoto Cosima Wagners Kinder 1872: von links Eva, Siegfried, Isolde, Daniela und Blandine

Man lasse sich nicht täuschen von Titel, Untertitel und Umschlagmotiv. Das, was so blumig daherkommt, zudem in einem Verlag, der eher für gefällig zu lesende als hochliterarische Bücher bekannt ist, gehört zu den schönsten deutschen Romanen dieses Frühjahrs. Das dürfte niemanden überraschen, der Constanze Neumann kennt, denn obwohl „Der Himmel über Palermo“ ihr Debütroman ist, hat die 1973 geborene Verfasserin längst einen guten Namen in der deutschen Verlagsszene: als frühere Lektorin unter anderem bei Piper, S.Fischer und Hoffmann und Campe, mittlerweile als freie Literaturagentin, als Übersetzerin aus dem Italienischen und 2005 auch schon als Buchautorin mit einer „Gebrauchsanweisung für Sizilien“. Mit der nähern wir uns ihrem jetzigen Roman an, denn schon dieser Reiseführer war mehr als eine bloße Handreichung für Reisende: Er war eine literarische Liebeserklärung an die italienische Insel, auf der Constanze Neumann drei Jahre lang gelebt hat, und zeugte von profunder Kenntnis ihrer Kulturgeschichte. Eines von deren interessantesten, gleichwohl weniger bekannten Kapiteln gibt nun den Stoff für den Roman „Der Himmel über Palermo“ ab.

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Die Handlung erstreckt sich von November 1881 bis zum selben Monat sechzehn Jahre später, doch der Schwerpunkt des Geschehens liegt auf dem knappen ersten Halbjahr dieses Zeitraums, begrenzt durch die kirchlichen Feiertage Allerseelen und Ostern, beides wichtige sizilianische Feste. Dazwischen kommen noch Weihnachten und Karneval, so dass die Ereignisgeschichte rhythmisiert wird durch den Festtagskalender und dessen Verlockungen für das sizilianische Gesellschaftsleben in der kühlen Jahreszeit. Die in Palermo und Umgebung vergleichsweise wenig kühl ist, weshalb sich ein prominenter deutscher Besucher samt seiner Familie hier eingefunden hat und im luxuriösen Hotel Des Palmes logiert: Richard Wagner. Er wird dort die Komposition des „Parsifal“ beenden, seiner letzten Oper.

46595174 © Goldmann Vergrößern Buchcover von Constanze Neumanns „Der Himmel über Palermo“

Eine Subtilität von Constanze Neumanns Roman besteht darin, dass er im Untertitel nicht den berühmten Namen Wagners nennt, sondern stattdessen den von Blandine von Bülow, einer der Stieftöchter des Komponisten. Bis überhaupt erstmals Wagners Name im Buch fällt, sind wir schon mittendrin in der Handlung, und der Komponist ist gemeinsam mit seiner Frau Cosima und den insgesamt fünf Kindern in Palermo gelandet – und vor allem haben wir auch bereits erzählt bekommen, wohin dieser sizilianische Aufenthalt geführt haben wird. Denn am Beginn des Romans verlässt Blandine von Bülow, mittlerweile verwitwete Gräfin Gravina, die Insel wieder, im Jahr 1897, nun mit ihren eigenen Kindern. Hinter ihr liegt eine gescheiterte Liebe zu Land und Leuten und zu einem Mann, dem verstorbenen Grafen. Über die Umstände dieser ambivalenten Liebesgeschichte ist die Nachwelt dank Blandines erhaltener Korrespondenz gut informiert, doch wer interessierte sich denn für die künstlerisch nicht weiter auffällig gewordene Stieftochter eines Genies? Nun, Constanze Neumann tut es, und ihr auf der Basis der Quellen gearbeiteter, aber trotzdem weit über diese hinaus fabulierter Roman rechtfertigt dieses Interesse aufs Vortrefflichste.

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