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Clotilde Schlayer: Minusio : Auf maximale Verehrung eingerichtet

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„Ich hab' hier schon sehr viel über die Weiber gelernt“: Clotilde Schlayers Aufzeichnungen aus den letzten Lebensjahren Stefan Georges sind ein pikanter Roman.

          An einem der ersten Abende kommt das Gespräch auf Karl V. Der Kaiser, von dem es hieß, sein Reich sei so groß, dass die Sonne darin nicht untergeht, hatte 1556 abgedankt und sich in ein Landhaus in Kastilien zurückgezogen. Diesen Entschluss könne er gut nachempfinden, meint George. „Wir sind auch manchmal plötzlich aufgebrochen und haben keine Adresse gelassen und sind fort gewesen ... und es war alles plötzlich so gleichgültig.“ An solchen Abenden, wenn George sich vergleichend auf eine Stufe mit den Großen der Welt stellt, fühle sie sich manchmal „wie in den Gedichten“, notiert Clotilde Schlayer. George spreche dann wie aus großer Ferne, leise, mit vielen Pausen, so, als ob er zum ersten Mal über bestimmte Zusammenhänge nachdenke. Dann sei er ganz bei sich selbst.

          Sechs Wochen später macht sich George beim Mittagessen Sorgen wegen der Haushaltsführung, die man auf Dauer wohl nicht werde finanzieren können; so reich sei er nicht - jeden Tag drei köstliche Gänge. Reichtum sei etwas Relatives, bemerkt sein jugendlicher Begleiter Frank Mehnert; Crassus zum Beispiel habe niemanden für reich gehalten, der nicht in der Lage gewesen sei, ein Heer aufzustellen. Und wieder folgt eine jener fast surrealen, vor Selbstbewusstsein strotzenden Feststellungen zur eigenen Person, die keinen Widerspruch dulden: „Ich habe kein Vermögen und habe doch ein Heer aufgestellt - jeder macht's eben anders.“ Es sind Situationen, denen sich die Zuhörer oft nur durch Flucht in allgemeine Heiterkeit zu entziehen wissen.

          Detaillierte Einblicke in Georges Lebensstil

          Die Aufzeichnungen von Clotilde Schlayer entstanden in den Jahren 1931 bis 1933 während langer gemeinsamer Aufenthalte in Minusio bei Locarno. Sie erlauben nicht nur detaillierte Einblicke in Georges Lebensführung während der letzten Jahre vor seinem Tod am 4. Dezember 1933; in ihrem unprätentiösen Ton heben sie sich auch von jenen oft zwanghaften Stilisierungen des Kreises ab, die das Bild des Dichters in der Öffentlichkeit lange Zeit bestimmten.

          Clotilde Schlayer, die in der bisherigen Literatur, wenn überhaupt, bestenfalls als Köchin oder Krankenschwester Georges Erwähnung fand, wurde 1900 in Barcelona als Tochter eines schwäbischen Unternehmers und einer spanischen Sängerin geboren. 1922 war sie ihrem Freund Walter Kempner zum Studium nach Heidelberg gefolgt, wo die beiden unbedingt mit Stefan George in Kontakt kommen wollten. Dem neunzehnjährigen Medizinstudenten gelang dies auf Anhieb, indem er den kürzesten Weg wählte und George einfach auf der Straße ansprach. Clotilde Schlayer wurde erst im Februar 1931 vorgelassen, als sie George in Berlin ihre Übertragungen von Gedichten aus dem „Siebenten Ring“ ins Spanische vorlesen durfte. Zwar übernachtete George zu dieser Zeit bereits seit mehreren Jahren regelmäßig in ihrem Haus in Dahlem, aber Kempner, der ihn abends mit dem Wagen in der Stadt abholte, ließ ihn offenbar im Unklaren darüber, wem das Haus gehörte, und Clotilde Schlayer machte sich im Souterrain unsichtbar, wenn er kam.

          Nicht bis zum bitteren Ende

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