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: Bitte um ein wenig Leben

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Ihr Leben hatte etwas Phönixhaftes, ein unentwegtes Stirb und Werde, als ob ihr nur die andauernde Krise überhaupt die Kraft zum Weitermachen und Kreativität zum Schreiben gäbe. Wie jener mythische Vogel sich ins Feuer stürzen muss, um aus der Asche immer wieder verjüngt aufzusteigen, so rückhaltlos durchbrach ...

          Ihr Leben hatte etwas Phönixhaftes, ein unentwegtes Stirb und Werde, als ob ihr nur die andauernde Krise überhaupt die Kraft zum Weitermachen und Kreativität zum Schreiben gäbe. Wie jener mythische Vogel sich ins Feuer stürzen muss, um aus der Asche immer wieder verjüngt aufzusteigen, so rückhaltlos durchbrach diese Autorin das einsinnige Ordnungsmuster einer Alltagswelt, die zu viel Mögliches, Existentielles und Wahrhaftiges durch Kleinteiligkeit unterbinden will. Denn auf ein Einziges war Hilda Doolittle, die sich als Schriftstellerin H.D. nannte, nie festzulegen; ihr galt das Vielsinnige, Vielstimmige und Vielgestaltige stets als Lebens- wie als Schaffensziel.

          Der deutsche Titel "Madrigal", unter dem ihr autobiographischer Roman erscheint, ist gut gewählt, weil er sogleich das Polyphone ihrer Prosa hörbar macht. Im Original heißt er "Bid me to live" und zitiert im Titel einen Lyriker des siebzehnten Jahrhunderts, der sich mit dieser Lebensbitte ganz dem Willen der Geliebten unterstellt. Aus solcher Unbedingtheit, in der Liebe wie im Leben und im Schreiben alle Möglichkeiten auszukosten und dafür alles zu riskieren, auch den Flammentod, gewinnt ihr Werk vibrierende Energie.

          Vielleicht war es die Leitfigur des Phönix, die H.D. 1917 mit dem Autor D.H. Lawrence zusammenbrachte, einem anderen großen Außenseiter der Moderne, mit dem sie bald eine innig rivalisierende, erotisch aufgeladene und dennoch, wie es heißt, sexuell enthaltsame Freundschaft verband. Vielleicht aber war es auch die Alchemie der Buchstaben oder einfach das gemeinsame puritanische Erbe, das sie anzog, um im anderen eine Spiegelung des eigenen auszumachen und sich auf diese Weise wechselseitig zu verrätseln: "Sie begriff seltsam gleichgültig, dass er wirklich berührt war. Zärtlichkeit. Das war es, nicht Flamme und glühende Leidenschaft, nicht der dunkle Gott, von dem er immer sprach. Und wenn doch ein dunkler Gott, dann ein wahrhaft dunkler, Dis, der Gott der Unterwelt; die weißen Hyazinthen waren Totenblumen; er hatte sie Persephone genannt." Mit derart dunklen Worten und mythologisch aufgeladenen Bildern erzählt der Roman von dieser seltsamen Beziehung. Sie wird zur krisenhaften Auferstehungsfeier inmitten einer kriegszerstörten Katastrophenwelt.

          Bloomsbury unter Beschuss, Bombensplitter auf den Straßen, Schlachtgedröhn und Militärmusik: London ist die Metropole der Moderne, doch in den Lichtspielhäusern vom Leicester Square, den Tempeln dieser neuen Zeit, ist das Publikum vor allem khakifarben und trägt den Arm in einer weißen Schlinge. Die Soldaten sind auf Heimaturlaub, unter ihnen die literarische Avantgarde; doch kaum einem gelingt es hier, das Grauen aus den Gräben an der Front vorübergehend zu vergessen. Auch Rafe Ashton ist, als er zur jungen Ehefrau Julia zurückkehrt, weiter heimatlos und nimmt sich erst einmal eine Geliebte. Julia aber, selbst traumatisiert von einer Fehlgeburt, muss unter der Mansarde wohnen, wo er sein neues Liebesnest einrichtet. Sie fühlt sich jetzt zu Rico hingezogen, einem tuberkulosekranken, schwächelnden Erzähler, der gern orgiastische Männlichkeitsphantasien entwirft, strotzend vor Sex und Kraft, was sie befremdet und zugleich berührt. Als neuen Liebhaber jedoch sucht sie sich Vane und zieht mit ihm nach Cornwall. Dort findet Julia in einem langem Brief an Rico eine Stimme, um endlich ihre Version und Vision der Geschichte aufzuschreiben.

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