06.07.2011 · Erstaunliches über unser Geowissen
Wir haben uns schon an den Gedanken gewöhnt, dass die Abläufe auf und unter der Erde grundsätzlich berechenbar sein sollen, dass sie sich gleichsam simulieren lassen mit den passenden Algorithmen. Tatsächlich treibt diese Idee die Wissenschaft heute wesentlich an. In Wirklichkeit ist sie jedoch genauso tückisch wie der Gedanke, die Geosphäre oder das Klima seien weitgehend konstant - und zwar nur deshalb, weil wir einfach keinen Sinn für die Zeiträume haben, in denen sich geologische Veränderungen abspielen. Wir leben und erfahren unseren Planeten im Jetzt. Am Deutschen Geoforschungszentrum, dem Helmholtz-Zentrum Potsdam, arbeiten Dutzende Forscher, die mit ihren Instrumenten fast täglich andere Erfahrungen sammeln. Und die entsprechende Schlussfolgerungen ziehen: "Der reine Ursache-Wirkung-Mechanismus entspricht nicht der Komplexität natürlicher Prozesse." Mit diesen Worten führt der Wissenschaftliche Vorstand des GFZ, Reinhard Hüttl, in sein spannendes Buch ein, in dem es vor allem darum geht, die Veränderungen zu beschreiben, denen unser Wissen über den Planeten unterliegt. Er stützt sich dabei im Wesentlichen auf Forschungsarbeiten, die am Potsdamer Institut ausgeführt wurden. Die einzelnen Kapitel sind jeweils in deutscher und englischer Sprache geschrieben.
jom
Reinhard Hüttl: "Ein Planet voller Überraschungen. Our surprising Planet", Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, 316 S., 49,95 Euro.