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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Sorge um die Vielfalt der belebten Natur hinter Glas

14.01.2004 ·  Auch wenn Artenvielfalt und Biodiversität zu beliebten Schlagwörtern geworden sind, erschweren Naturschutzbestimmungen den Naturschützern zunehmend die Arbeit. Diese paradoxe Situation zog sich als Thema wie ein roter Faden durch eine Veranstaltung der Kommission für Ökologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Herbst 2002, deren acht Vorträge mit Diskussionen nun in Buchform vorliegen.

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Artenvielfalt und Biodiversität sind zu beliebten Schlagwörtern geworden. Biologen, Ökologen und andere Naturkundler könnten demnach frohlocken, scheint doch ihr Anliegen ernst genommen zu werden. In Wirklichkeit aber macht sich Skepsis breit. Naturschutzbestimmungen erschweren Naturschützern zunehmend die Arbeit. Diese paradoxe Situation zog sich als Thema wie ein roter Faden durch eine Veranstaltung der Kommission für Ökologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Herbst 2002, deren acht Vorträge mit Diskussionen nun in Buchform vorliegen. Wer über Biodiversität und deren Schutz rede, müsse wissen, wie viele Arten es gibt, was Arten eigentlich sind und wie sie entstehen, merkte einer der Wissenschaftler an. Auf keine der drei Fragen gebe es jedoch eine befriedigende Antwort. Die Schätzungen über die Zahl der Pflanzenarten beispielsweise lägen zwischen zehn und hundert Millionen. Ohne wissenschaftliche Sammlungen, das wurde auf der Tagung deutlich, lassen sich die Fragen niemals beantworten. Neue Arten können nur durch den Vergleich mit schon vorhandenen "Typusexemplaren" entdeckt werden. Ohne Herbarmaterial wäre es beispielsweise auch nicht möglich, Veränderungen der Vegetation, etwa die Rückkehr vieler Flechtenarten in die nicht mehr so stark unter Luftverschmutzung leidenden Städte, zu dokumentieren. Aber gerade um die Sammlungen machen sich die Forscher große Sorgen. Das geltende Naturschutzgesetz und die Artenschutzverordnung schränken das Entnehmen von Proben stark ein oder unterbinden es völlig. Nicht nur Privatsammler, sondern auch Bedienstete der naturwissenschaftlichen Staatssammlungen bekommen das zu spüren. Um so größer ist der Wert bestehender "Naturarchive", etwa der hier abgebildeten Gottesanbeterinnen aus Malaysia (Sammlung Selner). Der Tagungsband "Biologische Vielfalt: Sammeln, Sammlungen und Systematik" ist in der Reihe "Rundgespräche der Kommission für Ökologie" (Bd. 26) im Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2003, erschienen. Er hat 144 Seiten und kostet 22 Euro.

R.W.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2004, Nr. 11 / Seite N3
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