06.01.2010 · Memoiren eines Kinderpsychiaters
Geistige Behinderungen und seelische Störungen von Kindern und Jugendlichen wurden lange Zeit nicht als Krankheit betrachtet und als solche behandelt. Heute ist die Kinder- und Jugendpsychiatrie eine Spezialdisziplin der modernen Medizin. Gerhardt Nissen, einer der bekanntesten deutschen Kinder- und Jugendpsychiater des zwanzigsten Jahrhunderts, hat die Entwicklung des noch jungen Fachgebietes maßgeblich mitgeprägt, als er 1954 als junger Assistenzarzt in der psychotherapeutischen Kinderbeobachtungsstation der Bremer Nervenklinik seine Laufbahn begann. Der mittlerweile emeritierte Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Würzburg hat jetzt eine Autobiographie vorgelegt. Darin beschreibt er nicht nur seine persönlichen Lebenserinnerungen. Seine Memoiren sind auch als Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Deutschland zu lesen. Seine Autobiographie fußt auf lebenslang akribisch geführten Tagebüchern. Entsprechend genau gibt der 1923 geborene Autor Dialoge, Situationen und Stimmungen wieder. Zum einen sind die Erinnerungen damit eine bedeutende Quelle für alle, die sich für die Wahrnehmung psychischer Erkrankungen bei Kindern im historischen Wandel interessieren. Zum anderen vermitteln sie das Bild einer versunkenen Welt. Nissens Autobiographie geben insbesondere Aufschluss über das Medizinstudium und den Arztberuf in der unmittelbaren Nachkriegszeit. So ist ein Lebensbericht mit viel Zeitkolorit entstanden.
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Gerhardt Nissen: "Psychisch gestörte Kinder und Jugendliche gestern und heute: Persönliche Erinnerungen aus 60 Jahren". Psychosozial-Verlag, Gießen 2009. Br., 400 S., 39,90 Euro.