Erbarmungslose Hitze oder Kälte, mörderische Trockenheit, praktisch keine Nährstoffe - solche Bedingungen erscheinen aus Sicht des Menschen als höchst lebensfeindlich. Etlichen Organismen sind derartige Verhältnisse indessen durchaus willkommen. Denn dort, wo andere passen müssen, eröffnet sich ihnen eine Nische, in der sie sich weitgehend unbehelligt entfalten können. Um solches Leben unter extremen Bedingungen ging es bei einem Rundgespräch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften im Herbst vergangenen Jahres. Die Beiträge und Diskussionen, die jetzt als Buch vorliegen, handeln von den unterschiedlichsten Organismen. Für Mikroben der Gattung Pyrodictium etwa, die an vulkanischen Quellen im Mittelmeer entdeckt wurden, ist kochend heißes Wasser ein angenehmes Umfeld. Am eifrigsten vermehren sie sich bei 105 Grad. Ebenfalls an heißen Meeresquellen ist man auf Methanopyrus-Mikroben gestoßen, die sogar erst bei 116 Grad am schnellsten wachsen sollen. Langsam lassen es hingegen Mikroben angehen, die kilometertief in uralten Sedimenten leben. Wegen des extremen Energiemangels dort dauert eine Zellteilung vermutlich mehrere tausend Jahre.In dem Buch werden zudem Überlebenskünstler aus der Welt der Pflanzen und Tiere vorgestellt. Im abschließenden Beitrag geht es um den Menschen, denn schließlich hat auch er Möglichkeiten gefunden, extrem feindliche Umweltbedingungen zu meistern.
R.W.
Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): "Leben unter extremen Bedingungen". Rundgespräche der Kommission für Ökologie, 39. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2011. 160 S., br., 25 Euro.