22.06.2011 · Achtzig Bücher braucht man also, um die Welt zu umrunden. Achtzig Romane, genauer gesagt. Mit der "Reise nach Petuschki" kommt man gut, wenn auch nicht nüchtern, durch Russland, mit Allendes "Geisterhaus" durch Chile, mit Murakamis "Kafka am Strand" durch Japan. Hätten wir selbst noch gewusst. Aber was packt man ein, wenn es nach Puerto Rico geht? Auf Hunter S.
Achtzig Bücher braucht man also, um die Welt zu umrunden. Achtzig Romane, genauer gesagt. Mit der "Reise nach Petuschki" kommt man gut, wenn auch nicht nüchtern, durch Russland, mit Allendes "Geisterhaus" durch Chile, mit Murakamis "Kafka am Strand" durch Japan. Hätten wir selbst noch gewusst. Aber was packt man ein, wenn es nach Puerto Rico geht? Auf Hunter S. Thompsons auch nicht gerade stocknüchternes "Rum Diary" muss man erst einmal kommen. So weit ist die Idee der Absolventen des Münchner Studiengangs Buchwissenschaft, zu einer literarischen Weltreise einzuladen, eine verdienstvolle Sache. Und legt vor, worüber man im Folgenden gut streiten kann: Carlos Ruiz Zafón für Spanien ist eine ebenso langweilige Wahl wie Arundhati Roy für Indien. Wenn es in die Türkei geht, ist es schwierig, nicht zuallererst an Orhan Pamuk zu denken. Da hätte man gern Neues erfahren. Ärgerlich ist oft auch der Vorrang gut abgehangener Bestsellerautoren gegenüber weniger populären Einheimischen: Warum muss ausgerechnet Rolf Lappert Irland repräsentieren? Als ob die dort keine eigenen Autoren hätten, die dem Grüne-Insel-Kitsch gegenüber etwas resistenter sind. Andererseits: Überblättern wir einfach das allzu bekannte Europa, und Nordamerika gleich mit. Afrika, Ozeanien und Teile Asiens sind noch weiße Flecken auf unserer literarischen Leselandkarte, und womöglich kommt man in persona nicht so schnell dorthin. Tun wir also das, was uns der junge thailändische Autor Rattawut Lapcharoensap in seinen Geschichten empfiehlt: "Sightseeing", und zwar im Kopf.
dien.
"In 80 Büchern um die Welt. Eine literarische Reise", mit einem Vorwort von Feridun Zaimoglu. Thiele Verlag, München 2011. 272 Seiten. Broschiert, 20 Euro.