16.06.2011 · Wer Weimar sagt, muss auch Jena sagen. Jena war gleichsam der wissenschaftliche Ableger der Weimarer Klassik. Man denke nur an den Historikprofessor Schiller der in Jena viel Aufruhr verursachte, schon mit seiner berühmt gewordenen Antrittsvorlesung "Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte".
Wer Weimar sagt, muss auch Jena sagen. Jena war gleichsam der wissenschaftliche Ableger der Weimarer Klassik. Man denke nur an den Historikprofessor Schiller der in Jena viel Aufruhr verursachte, schon mit seiner berühmt gewordenen Antrittsvorlesung "Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte". Jena ist Universitätsstadt, Forschung und Wirtschaft stehen hier eng beieinander. Jena ist auch eine sehr schöne thüringische Stadt. Sie liegt wunderbar im Tal, in den bewaldeten Hügeln ringsum lässt es sich gut wandern. Wie aber nun kann es diese Stadt schaffen, gleichsam in Augenhöhe mit Weimar zu verkehren? Einen ungewöhnlichen Ansatz bietet dieses Buch über die Architektur in Jena. Die Geschichte der Stadt wird durch Bauten illustriert, von denen nur wenige über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind. Etwa der Jentower, der in sozialistischer Zeit Forschungshochhaus für den volkseigenen Betrieb Carl Zeiss werden sollte, aber Universitätshochhaus wurde. Dieser Turm war bewusst darauf angelegt, die kleine Stadt zu sprengen, ihr gleichsam das Bürgerliche auszutreiben. Er ist ingenieurtechnisch gesehen eine anspruchsvolle Konstruktion, ästhetisch hingegen ein Dorn im Auge. Umso erstaunlicher sind die Funde, die der Band zeigt. Neben den vielgestaltigen Dorfkirchen der näheren Umgebung sind es vor allem Bauten aus der Zeit zwischen 1871 und 1945: das Hauptgebäude der Universität, das Ernst-Abbe-Denkmal, das Zeiss-Planetarium und die hellen Villen im Bauhaus-Stil. Man muss sich nicht sonderlich für Architektur interessieren, um plötzlich einmal dorthin zu wollen. Praktischerweise liegt ein Stadtplan bei.
F.P.
"Architektur in Jena" von Petra Zippel, Matthias Lerm und Michael Miltzow (Fotos), herausgegeben von der Stadt Jena, Hinstorff-Verlag, Rostock 2010. 256 Seiten, etwa 200 Farbfotos, Stadtplan im A1-Format. Gebunden, 24,90 Euro.