04.03.2010 · "Neu, exotisch, überraschend" sei für ihn die erste Begegnung mit diesen regennassen Inseln gewesen, schreibt der Schweizer Fotograf Marco Paoluzzo. Das erste Mal kam er 1991 auf die Färöer, ein Zwischenhalt auf dem Weg nach Island. Immer wieder reiste er danach dorthin, nun sind seine Schwarzweißaufnahmen in einem großen Bildband erschienen.
"Neu, exotisch, überraschend" sei für ihn die erste Begegnung mit diesen regennassen Inseln gewesen, schreibt der Schweizer Fotograf Marco Paoluzzo. Das erste Mal kam er 1991 auf die Färöer, ein Zwischenhalt auf dem Weg nach Island. Immer wieder reiste er danach dorthin, nun sind seine Schwarzweißaufnahmen in einem großen Bildband erschienen. Es gibt, außer der kurzen Einführung des Fotografen, keinen Text, und auch keine Bildunterschriften. Was sollte da auch stehen: Streymoy im Nebel. Streymoy bei Regen. Ab und zu zeigt Paoluzzo ein Haus, ein paar Schiffe und Boote, fast keine Menschen, nur manchmal Kinder, fröhliche Jugendliche, einen verknitterten Fischer. Der Eindruck von Ferne und Abgeschiedenheit muss ihn beeindruckt haben, sie sind das bestimmende Element des Buches. "Hier regnet es mehr als 300 Tage im Jahr", bemerkt der Fotograf trocken. Da ist man wohl dankbar für den einen, mystischen Sonnenstrahl, der das Meer vor Sandoy kurz zum Glitzern bringt. Die Größenverhältnisse verlieren sich, fährt ein Fischkutter durchs Bild, wundert man sich, wie winzig er ist. Ein paar Häuser stehen da, ein abgelegener Hof, aber was wäre hier nicht abgelegen. Dahinter zieht sich die baumlose Flanke eines Berges hinauf, ein kräftiges Grün, darf man vermuten. Immer wieder hat Paoluzzo Streymoy fotografiert, eine senkrecht abfallende Felswand, davor zwei Inselchen, zwei Klippen, so markant wie Capris Faraglioni. Mal richtet sich sein Fokus auf Details, ein schwarzes, struppiges Schaf, das selbstbewusst aus dem Schnee in die Kamera blickt, ein Kreuzfahrtschiff, das seinen Bug in den Nebel schiebt. Aber meist sieht man nur karge Landschaft, eine Küste, die fast verschwindet, im Nebel, in Wolken. Es gehört Mut dazu, so einen kargen, stilisierten Bildband auf den Markt zu bringen, teuer ist er auch. Am Ende fragt man sich mit Spannung, was wohl auf dem letzten Bild zu sehen sein wird? Noch einmal eine große, leere Insel? Nein. Seltsamerweise zeigt das letzte Foto eine Industrieanlage, vielleicht ein Heizwerk. Die einen wird es am Ende des Buches frösteln, und sie werden sich sagen: In diese Ecke der Welt - niemals! Die anderen fangen von vorne an zu blättern.
bär
"Färöer Inseln" von Marco Paoluzzo. Benteli Verlag, Bern. 2009. 108 Seiten, zahlreiche Schwarzweißfotos. Gebunden, 49,80 Euro.