03.12.2009 · Bücher über reisende Frauen gibt es viele, und sie beschäftigen sich alle mehr oder weniger mit denselben Fragen: Was motivierte die Frauen früherer Jahrhunderte zu reisen? Woher nahmen sie den Mut, sich gängigen Konventionen zu widersetzen und sich auf den Weg zu machen? Welche Erfahrungen machten ...
Bücher über reisende Frauen gibt es viele, und sie beschäftigen sich alle mehr oder weniger mit denselben Fragen: Was motivierte die Frauen früherer Jahrhunderte zu reisen? Woher nahmen sie den Mut, sich gängigen Konventionen zu widersetzen und sich auf den Weg zu machen? Welche Erfahrungen machten sie in der Fremde, und wie verhielten sie sich dazu? Wie wirkten sich ihre größeren und kleineren Abenteuer auf ihr Selbstbild aus? Konnten sie ihre Sehnsüchte auf Reisen befriedigen, und kehrten sie verändert zurück? Oder suchten sie in der exotischen Erfahrung etwas, was sie eigentlich nur in sich selbst finden konnten? Zwei Dinge unterscheiden dieses Buch von anderen: zum einen sein luxuriöses Format, seine üppige Ausstattung und die zahlreichen Abbildungen und zum anderen die Tatsache, dass es sich nicht nur mit den bekannten reisenden Frauen befasst, etwa Alexandra David-Néel, Ella Maillard oder Ida Pfeiffer, sondern eine ganze Reihe von weniger bekannten Damen und ihre Erfahrungen vorstellt. In vier umfassenden Kapiteln mit eher prosaischen Überschriften wie "Frauen in Männerkleidern vor 1850", "Reisen und Lesen/Schreiben 1890-1915" und "Bindungen 1918-1950" erzählt dieses Buch Geschichten über Frauen, die sich unterwegs durch drei große Konstanten auszeichnen: Erfindungsgeist, Gelassenheit und Ausdauer - und die in ihren Reisebeschreibungen dazu noch eine beachtenswerte Qualität an den Tag legen: Humor! "Die Forscherinnen in Krinolinen sind witzig", heißt es dazu. Dieses Buch lädt ein zum Lehnstuhlreisen im allerbesten Sinne: stöbern, schmökern, Bilder betrachten, träumen, neugierig werden. Es macht Lust aufs Weiterlesen in den originalen Reisebeschreibungen oder aber Biographien, Anthologien und Bildbänden. Lust darauf, mehr zu erfahren über diese Frauen, deren Furcht, sich nicht verwirklichen zu können, größer gewesen sein muss als ihre Angst vor dem Unbekannten, der Fremde, dem Abenteuer. Frauen, die ihrem Instinkt vertrauten und ihrer Leidenschaft folgten. Und womöglich macht es manchem Leser und vielen Leserinnen sogar Lust aufs Reisen.
wil
"Frauen erobern die Welt: Abenteuer - Reisen - Expeditionen. Unterwegs auf fernen Kontinenten" von Alexandra Lapierre und Christel Mouchard. Flammarion Verlag, München 2009. 239 Seiten, zahlreiche Illustrationen. Gebunden, 39,90 Euro.