22.09.2011 · Schade: Auch der gutwilligste und geduldigste Leser wird nach der Lektüre der elf Kapitel mit ihren jeweils zehn Essays mehr als hundertelf Gründe haben, dieses Buch einfach nur grässlich zu finden. Dabei sollte diese Liebeserklärung an Hamburg wohl vor allem besonders humorvoll, spritzig, pointiert, originell und endlich einmal ganz und gar anders als die gängige Reiseführerliteratur sein.
Schade: Auch der gutwilligste und geduldigste Leser wird nach der Lektüre der elf Kapitel mit ihren jeweils zehn Essays mehr als hundertelf Gründe haben, dieses Buch einfach nur grässlich zu finden. Dabei sollte diese Liebeserklärung an Hamburg wohl vor allem besonders humorvoll, spritzig, pointiert, originell und endlich einmal ganz und gar anders als die gängige Reiseführerliteratur sein. Entstanden ist genau das Gegenteil. Die üblichen Klischees und Hamburg-Anekdoten - ewiges Tor zur Welt und sowieso ja auch deren schönste Stadt zugleich - werden mit einer Anstrengung raufund runterdekliniert, als wollten die beiden Autoren aus einem feuchten Küchenhandtuch literweise Frischwasser herauswringen. Oh, Lesen kann manchmal so anstrengend sein! Das Unerfreulichste an diesem Hamburg-Buch sind zweifellos die sich kalauernd anbiedernden Texte, es ist aber auch die selbstgefällige Penetranz, mit der die zwei Hamburg-Experten ihr so wenig differenziertes Bild der Hansestadt auf nahezu dreihundert Seiten ausbreiten. Und gibt es - selten genug - in einem der vielen Kapitel den Hauch von Originalität oder eine Idee von wirklicher Recherche, so wird der Ansatz gleich wieder vom seifigen PR-Ton ruiniert. "Total subjektiv" soll diese Liebeserklärung sein; so werden dann auch die zahlreichen aktuellen Probleme der Hansestadt, die den kompletten Gau ihres Kulturlebens noch nicht wirklich hat abwenden können, konsequent ausgeblendet. Dafür sind gedankensprühende Sätze zu lesen wie: "So ein Nachmittag in der Innenstadt ist ganz schön anstrengend", oder "Außerdem ist Humor eh Geschmackssache". Vollkommen kritiklos und unreflektiert klingen die Texte, als seien sie direkt im Auftrag der Hamburg Tourismus GmbH geschrieben worden. "Gehen Sie über einen Wochenmarkt, und belauschen Sie unauffällig die Hamburger", ist eine der abgründig dämlichen Tipps der Autoren, die - und das ist unfreiwillig komisch - jeden einzelnen ihrer Beiträge stolz signiert haben.
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"111 Gründe, Hamburg zu lieben - Eine Liebeserklärung an die großartigste Stadt der Welt" von Ann-Christin Zilling und Torsten Lindner. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2011. 288 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Broschiert, 9,95 Euro.