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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Vorväter suchen

 ·  "Es gibt dieses Irland", lautet ein Satz von Heinrich Böll, den jeder Irland-Fan zu Ende beten kann, "wer aber hinfährt und es nicht findet, hat keine Ersatzansprüche an den Autor." Hugo Hamilton formuliert ihn listig um: "Und sollte man es nicht finden, dann hat man nicht gut genug hingeschaut." Nach fünfzig Jahren ist Bölls "Irisches Tagebuch" reif für eine Nachbesichtigung.

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"Es gibt dieses Irland", lautet ein Satz von Heinrich Böll, den jeder Irland-Fan zu Ende beten kann, "wer aber hinfährt und es nicht findet, hat keine Ersatzansprüche an den Autor." Hugo Hamilton formuliert ihn listig um: "Und sollte man es nicht finden, dann hat man nicht gut genug hingeschaut." Nach fünfzig Jahren ist Bölls "Irisches Tagebuch" reif für eine Nachbesichtigung. Der deutsch-irische Schriftsteller Hamilton ist mit den Eigenheiten beider Seiten vertraut: mit der Sehnsucht der Deutschen nach einem Land, das so freundlich und schuldlos stolz sei, wie sie ihres gern hätten; und mit dem fehlenden Drang der Iren, die Welt verbessern zu wollen. Hamilton reist auf Bölls Spuren und sucht sein Echo bis in die Kapitelüberschriften. Er trifft den Sohn des Arztes, der in einer stürmischen Nacht das Kind der Frau mit den schönsten Füßen der Welt entbunden hatte, und Siobhan, das Mädchen mit den Augen von Vivian Leigh, die nicht bei der Post geblieben ist und nun eine Frühstückspension führt. Er tut es mit Liebe, Scharfblick, leiser Ironie und in klingender Prosa. So erzählt er von den "reizendsten Menschen der Welt", die sich in Rossport gegen eine Pipeline von Shell gewehrt haben und ins Gefängnis flogen, oder von der Amerikanerin, die auf Achill nach ihren Wurzeln sucht und einen Suppenkessel findet, ohne den ihr Großvater nicht überlebt hätte. Das Irland der "Seelenfülle und Herzlichkeit" gibt es also noch neben den großen Veränderungen und jenseits der Klischees. Es ist reicher geworden, jünger statt älter, aber reizend und redselig geblieben.

letz

"Die redselige Insel. Irisches Tagebuch" von Hugo Hamilton, Luchterhand Verlag, München 2007. 158 Seiten Broschiert, 7 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2007, Nr. 141 / Seite R4
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