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Samstag, 18. Februar 2012
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Von Toten und Untoten

11.03.2010 ·  Mit seinen Bildern der Hyänen-Männer katapultierte sich Pieter Hugo vor zwei Jahren in die erste Reihe unter Afrikas Fotografen. Es war eine gespenstische Dokumentation von Menschen in Nigeria, die mit Raubtieren an der Leine spazieren gehen, ohne dass der Betrachter versteht, ob es sich um Exzentriker handelt oder um Menschen vom Zirkus, um Wunderheiler oder Geldeintreiber.

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Mit seinen Bildern der Hyänen-Männer katapultierte sich Pieter Hugo vor zwei Jahren in die erste Reihe unter Afrikas Fotografen. Es war eine gespenstische Dokumentation von Menschen in Nigeria, die mit Raubtieren an der Leine spazieren gehen, ohne dass der Betrachter versteht, ob es sich um Exzentriker handelt oder um Menschen vom Zirkus, um Wunderheiler oder Geldeintreiber. Stets wahrte Hugo Distanz, fast so, als könne er seine Furcht nicht gänzlich ablegen. Zugleich machte er aus seiner Faszination keinen Hehl.

Von einem ähnlich zwiespältigen Gefühl scheinen nun auch die Arbeiten seines jüngsten Bildbands "Nollywood" geprägt - aber es liegt ein Moment von feiner Ironie über den Aufnahmen. Und schnell begreift man, dass es sich nur um ein Spiel mit dem Schrecken handelt, wenn ein verbrannter Autofahrer aus einem Unfallwagen steigt oder einem schwarzen König blutrote Tränen über die Wangen laufen. Diesmal hat Pieter Hugo bei Dreharbeiten fotografiert.

Mit Gesamtausgaben von mehr als dreihundert Millionen Dollar jährlich liegt Nigeria an dritter Stelle der Filmproduktionen weltweit. Bis zu anderthalbtausend Filme entstehen mit diesem Budget, Großartiges kann man deshalb kaum erwarten. Die meisten Filme werden nicht einmal fürs Kino gedreht, sondern direkt für den DVD-Markt. Sechshunderttausend Scheiben werden täglich in alle Länder Afrikas exportiert. Hugo zeigt die geschminkten Darsteller und Statisten vor allem billiger Horrorfilme. Aber er zeigt sie nicht in Szenen, sondern komponiert mit Porträts seinen Kommentar zur afrikanischen Politik und Wirklichkeit, deren Konflikte sich erst in diesen Tagen in Nigeria wieder auf brutale Weise entladen haben. Und prompt verschwindet das Lächeln vom Gesicht des Betrachters. Es ist ein unheimliches Buch. (F.L.)

"Nollywood" von Pieter Hugo. Prestel Verlag, München 2009. 112 Seiten, zahlreiche Fotos. Gebunden, 39,95 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2010, Nr. 59 / Seite R4
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