Wie ein typischer Waliser aussehen soll, weiß keiner so recht, aber vom Schotten haben die meisten ein Bild: Er ist sparsam, streitbar und trinkfest, trägt Kilt und spielt Dudelsack. Die Klischees haben Schottlands Anspruch, als Nation wahrgenommen zu werden, und sein Begehren nach Abgrenzung von England durchaus befördert. Dabei haben erst die Engländer im neunzehnten Jahrhundert schottischen Karostoff und Dudelsack populär gemacht; zuerst George IV., der sich auf seiner königlichen Visite im Kilt gefiel und eine Vorliebe für gereiften Whisky äußerte; dann Queen Victoria, die Schloss Balmoral und die Highlands als romantische Kulisse ihrer Ferien entdeckte. Was Schottland jenseits der Folklore, die "nicht gerade erfunden, aber immerhin erst herbeigeholt werden musste", zusammenhält, beschreibt der Autor Michael Maurer, der bereits eine "Kleine Geschichte" Englands und Irlands in derselben Reihe erfreulich unprätentiöser, unbebilderter, wohlfeiler Bücher veröffentlicht hat. Es ist der Stolz auf das Eigene: Geschichte, Recht, Bildungswesen, Kultur und die presbyterianische Kirche, in der auch schon mal ein Stuhlbein an den Kopf des Predigers flog, der den Gottesdienst nach dem anglikanischen Common Prayer Book hielt, sowie das Bewusstsein, siebenhundert Jahre lang von England drangsaliert worden zu sein. Ob Schottland - und Wales - ihr Heil im Separatismus oder als Regionen in einer multinationalen Gemeinschaft finden werden, lässt der Autor offen; nicht aber, dass sie Europa schmücken würden - auch wenn das vierhundert Millionen Pfund teure neue Parlamentsgebäude in Edinburgh zu einem der zwölf "most hated eysore buildings" in Großbritannien gewählt wurde.
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"Kleine Geschichte Schottlands" von Michael Maurer. Philipp Reclam Verlag, Stuttgart 2009. 336 Seiten. Broschiert, 7,80 Euro.