Das kann trist werden, denkt man beim Anblick dieses Buches. Auf dem Umschlag ist Regenwald zu sehen, in dunstigem Nebel oder im Qualm beginnender Brandrodung, das ist nicht ganz klar, darüber steht: "Geschichten aus dem Zeitalter des Verschwindens". So schlimm ist es dann aber gar nicht. Der kanadische Journalist Terry Glavin will mit seinem Buch "Warten auf die Aras" Hoffnung säen in einer Zeit, "die neuerdings als sechste große Welle des Massenaussterbens bezeichnet wird", wie es im Vorwort heißt. Glavin reiste für sein Buch in die entlegensten Gebiete der Welt, immer auf der Suche nach Geschichten von aussterbenden Tieren, Pflanzen und Völkern. Davon gibt es eine ganze Reihe; immerhin alle zehn Minuten verschwindet eine Spezies von der Welt, alle sechs Stunden eine Pflanzenart, alle zwei Wochen eine Sprache. Zwischen diesen verschiedenen Formen des Aussterbens versucht der Autor, Verbindungen herzustellen, denn er glaubt, dass sie "kulturell" zusammenhängen. Die Fäden knüpft er mit Hilfe langer Exkurse, etwa in die Geschichte einzelner Spezies oder der Entstehung von Zoos und Nationalparks, aber auch durch das Zitieren von (zu) vielen wissenschaftlichen Berichten und Zahlen. Bis man zu den Reisebeobachtungen durchdringt, muss man sich mit detaillierten Meinungsäußerungen des Autors zu den Ursachen des Artensterbens (Kapitalismus und Globalisierung) und zu den Menschen (in der Mehrzahl I-Pod und Gap-Pullover tragende Kapitalisten) auseinandersetzen sowie mit allerlei unbegründeten Theorien und Behauptungen, etwa: "Vögel sind der schlagende Beweis dafür, dass wir Menschen zu einer einfältigen und tölpelhaften Spezies gehören." Die Reiseberichte endlich sind spannend. Darin schildert Glavin, wie er nach stundenlangem Ausharren auf einem Ausguck im Dschungel Costa Ricas zufällig doch noch rote Aras sieht, wie er im Osten Russlands mit den Anglern von zwei Meter langen Fischen zusammentrifft oder mit Walfängern auf den Lofoten. Gerne hätte man ein paar der seltenen Tiere oder Menschen auch auf Bildern gesehen. Und zu gern hätte man mehr von Glavins Reisen und Begegnungen gelesen.
mkwa
"Warten auf die Aras" von Terry Glavin. Verlag Zweitausendeins, Frankfurt 2008. 384 Seiten. Broschiert, 19 Euro.