04.03.2010 · Es gebe ein Italien der Provinz, hat Claudio Magris einmal geschrieben, in dem stecke "mehr Leben und Intelligenz als in den sogenannten Zentren, die sich für Premierenlichtspielhäuser halten und manchmal doch bloß alte Kinos sind, kurz vor der Schließung". Triest, wo Magris lebt, ist solch ein Ort: ...
Es gebe ein Italien der Provinz, hat Claudio Magris einmal geschrieben, in dem stecke "mehr Leben und Intelligenz als in den sogenannten Zentren, die sich für Premierenlichtspielhäuser halten und manchmal doch bloß alte Kinos sind, kurz vor der Schließung". Triest, wo Magris lebt, ist solch ein Ort: nicht sehr groß, melancholisch und zurückhaltend, doch mit weitem Blick aufs Meer und in die Welt. Eine Stadt an der Grenze, die sich nicht einsperren lässt. Die Biographien ihrer Bewohner wurzeln in drei Kulturen, der italienischen, slawischen und österreichischen, in einer Vielfalt von Religionen und Sprachen. Gaby Wurster hat Stimmen zur Stadt gesammelt. "Triest - Eine literarische Einladung" heißt das Buch, in dem so unterschiedliche Autoren wie Umberto Saba, Italo Svevo und James Joyce, Sreko Kosovel, Fulvio Tomizza und Ilma Rakusa zu Wort kommen. Provinz ist anderswo, das spürt man in ihren Texten und Gedichten. Sie brechen zu einem Streifzug durch eine Stadt auf, in der die Psychoanalyse auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Der Band führt durch die Geschichte, macht am Hafen halt und in den Kaffeehäusern und endet schließlich mit einem Ausflug an die Küste und in den Karst. "Alle Wasser stürzen in deine Spalten", schreibt Scipio Slataper über das Rückzugsgebiet der Triestiner, "die trockene Flechte ergraut auf deinem weißen Fels, und die Augen flackern im sommerlichen Inferno." Triest ist eine Stadt zwischen den Stühlen. Mit dem Band von Gaby Wurster wird man auch hier seinen Platz finden.
aber
"Triest - Eine literarische Einladung". Herausgegeben von Gaby Wurster. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2009. Gebunden, 15,90 Euro.