11.03.2010 · Es gibt, was dieses Buch betrifft, eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Der Band heißt tatsächlich "Indien. Das Licht der Weisheit und die Farben des Lebens". Den Inhalt muss man deshalb irgendwo zwischen Esoterik und Ethnokitsch vermuten. Die gute Nachricht: Der Titel passt ganz und gar nicht zum Buch.
Es gibt, was dieses Buch betrifft, eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte zuerst: Der Band heißt tatsächlich "Indien. Das Licht der Weisheit und die Farben des Lebens". Den Inhalt muss man deshalb irgendwo zwischen Esoterik und Ethnokitsch vermuten. Die gute Nachricht: Der Titel passt ganz und gar nicht zum Buch. Nicht, dass es sich nicht dem Licht, der Weisheit und dem Leben widmete, um das es ohnehin immer irgendwie geht. Doch Fotograf und Autor Jenner Zimmermann blickt nicht süßlich verklärt auf das Land und die Menschen, und seine Aufnahmen - in einem Zeitraum von dreißig Jahren aufgenommen - lassen keinen Raum für die ewigen "Die haben nichts und sind trotzdem glücklich"-Touristenjauchzer. Weil die Menschen, die Zimmermann fotografiert, offensichtlich mindestens eines haben: ihren Glauben. Die Inder und ihre Religiosität sind Thema eines wesentlichen Teils des Buches. Hier finden sich Porträts von Gurus und Asketen, die nicht in die Voyeurismusfalle tappen, lakonische Bildtexte und einführende Informationen über die fünf wichtigen Religionen Indiens. Besonders schön sind die Aufnahmen, die hinter die Kulissen dessen führen, was der Reisende normalerweise sieht: etwa einen Abstellraum für Götterstatuen und Prozessionsgerätschaften. Ein riesiger, goldverzierter Holzelefant trompetet da an die Kammerdecke, daneben staubt eine Kuh vor sich hin. Immer wieder finden sich solche Bilder zwischen Tempel-, Stadt- und Landschaftsaufnahmen. Und eben immer wieder die Menschen: von und mit ihnen lebt dieses Buch. Arbeitsuchende auf einer Baustelle, lachende Kinder mit Farbspuren des Holi-Festes im Gesicht, Passanten vor einem wandhohen Gandhi-Plakat, Barbesucher im Rotlicht. Es lohnt sich, den Buchtitel durch Aufschlagen des Bandes zu überwinden.
fhau.
"Indien. Das Licht der Weisheit und die Farben des Lebens" von Jenner Zimmermann. Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2009. 344 Seiten, zahlreiche Fotografien. Gebunden, 49,90 Euro.