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Russisch-europäische Renovierungen

16.06.2011 ·  Noch vor wenigen Jahren stand das Kofferwort "Jewroremont" in Moskauer Wohnungsanzeigen für etwa dasselbe wie "abgezogene Dielen, Stuck" in Berlin: Indem sie das Adjektiv jewropejskij (europäisch) mit dem Substantiv Remont (Renovierung) verbanden, versuchten die Wohnungseigentümer eine Verheißung zu bündeln.

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Noch vor wenigen Jahren stand das Kofferwort "Jewroremont" in Moskauer Wohnungsanzeigen für etwa dasselbe wie "abgezogene Dielen, Stuck" in Berlin: Indem sie das Adjektiv jewropejskij (europäisch) mit dem Substantiv Remont (Renovierung) verbanden, versuchten die Wohnungseigentümer eine Verheißung zu bündeln. Nur dass sie sie, anders als in Berlin, aus der Moderne bezogen. Eine riesige Jewroremont besichtigt, wer den Bildband "Mojamo - Mein Moskau" durchblättert. Und kann auch gleich einen Vorher-nachher-Vergleich anstellen: In zwei Teilen zeigt das Buch Fotos des alten Moskau, die Jörg Esefeld 1987 und 1988 anfertigte, und Aufnahmen von Sascha Neroslavsky aus den Jahren 2003 bis 2009 - eingerahmt von mal mehr, mal weniger originell aufgeschriebenen Erfahrungen von Architekten, Schriftstellern wie Wladimir Kaminer, Künstlern, Journalisten und Politikern wie EU-Kommissar Günther Oettinger in und mit Moskau. Esefelds Architekturstudien transportieren die Atmosphäre der erlöschenden Sowjetunion - vielleicht, weil sie schwarzweiß sind, ganz sicher, weil sie den Charme einstürzender, doch noch real existierender Sozialismus-Bauten zeigen. Neroslavskys neue Stadtansichten bleiben bis auf Ausnahmen oberflächlich. Sie verdeutlichen zwar, was die Generalüberholung der alten Stadt angetan hat: riesige westliche Werbebanner. Doch hätten wenige, prägnante Beispiele gereicht, um zu zeigen, dass das Moskau nach der Euro-Renovierung nicht mehr mit dem alten zu vergleichen ist. Besonders augenfällig wird das, wenn man Nerosvlaskys eindrucksvolle Studien der Einwohner dieses durch und durch vermarkteten Molochs betrachtet: Der in Moskau geborene und jetzt in Frankfurt lebende Fotograf hat einen Blick für seine ehemaligen Mitbürger und für den Wandel der Stadt, der sich in ihnen widerspiegelt. Davon hätte man sich mehr gewünscht.

magr.

"Mojamo - Mein Moskau" von Jörg Esefeld und Sascha Neroslavsky. Edition Esefeld & Traub, Stuttgart 2011. 224 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 53 Euro.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2011, Nr. 138 / Seite R7
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