08.09.2011 · Die Grenzregion von Österreich und Italien sei kein klassisches Gartenreiseland, schreibt der Landschaftsarchitekt Clemens Enthofer, der in seinem handlichen Führer gleichwohl sechzig Gärten und Parks aus Nord-, Süd- und Osttirol sowie dem Trentino versammelt hat. Viele davon sind interessante höhere Lagen, in denen naturgemäß die Alpenflora überwiegt.
Die Grenzregion von Österreich und Italien sei kein klassisches Gartenreiseland, schreibt der Landschaftsarchitekt Clemens Enthofer, der in seinem handlichen Führer gleichwohl sechzig Gärten und Parks aus Nord-, Süd- und Osttirol sowie dem Trentino versammelt hat. Viele davon sind interessante höhere Lagen, in denen naturgemäß die Alpenflora überwiegt. Darüber hinaus ist der Autor großzügig. Seine Auswahl reicht von botanischen Gärten bis zum Arboretum, vom Kinderspielplatz zu Europas höchstgelegenem Rosarium im Grödnertal, vom ausgezeichneten blumenberauschten Dorf Virgen zum Skulpturen- und Kurpark über die Promenade bis zum sieben Hektar großen "Golfpark", der außer einem herrlichen Blick auf die Bergwelt botanisch, ökologisch und hortikulturell nicht viel zu bieten hat. Auch der Museumsfriedhof von Kramsach glänzt weniger durch seine Rabatten als durch die Versammlung heiterer Sprüche auf Grabkreuzen und Votivtafeln ("Hier liegt Martin Krug, der Kinder, Weib und Orgel schlug"). Die übersichtliche, aber unflexible Einteilung sieht für jede Anlage vier Seiten Text und Fotos vor - leider ohne Bildunterschriften. So wird ein kurioser Garten im kleinen Dorf Entiklar, den sein Besitzer Ende des neunzehnten Jahrhunderts in eine leicht wahnsinnige grüne Hölle voll steinerner Fabelwesen verwandelt hat und über die man gern mehr erführe, in gleicher Textlänge gewürdigt wie etwa der Pfarrgarten in Flaurling, dem man, den Andeutungen des Autors nach, das Lebendige herausgerissen hat. Seit der Renovierung 2008 gibt es dort statt eines Zier- und Nutzgartens nur noch Kies und Rasen. Andere Orte erscheinen dagegen botanisch etwas überversorgt. In den sechzig Zeilen über das Kräuterdorf Jungholz in Nordtirol fällt siebenundzwanzigmal das Wort Kräuter. Diskreter geben sich die wahren Helden der alpinen Flora, die der Leser im Vorüberblättern pflückt, wie das kleine Alpenglöckchen. Es kann Sonnenwärme absorbieren und sich im Frühling dank seiner violetten Knospen und Blütenstiele eigenmächtig durch den Schnee schmelzen.
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"Die schönsten Gärten und Parks" von Clemens Enthofer. Verlagsanstalt Athesia, Bozen / Tyrolia-Verlag Innsbruck, 2011. 248 Seiten, zahlreiche Farbfotos. Broschiert, 17,90 Euro.